Pressespiegel

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Mühlen in Mecklenburg-Vorpommern können zur
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Wahrzeichen zeigt sich flügellos
Auch die Haube der historischen Erdholländer-Windmühle
wurde demontiert und gelagert / Sanierungsbeginn für das Jahr 2011 fest im
Blick
Großeinsatz am Sonnabend für die Mitglieder des Förderkreises
Mühlenfreunde Wittenburg: Mit schwerer Technik und Muskelkraft gingen sie
auf dem Areal nahe der Autobahn ans Werk, um die Mühlenflügel und den
Mühlenkopf abzunehmen und eine Ersatzhaube aufzusetzen. Dieses Notdach
soll als Schutz dienen, bis es dann endlich losgeht mit der dringend
notwendigen Sanierung.
„Dieses Ersatzdach haben die Mitglieder des Förderkreises selbst
hergestellt“, sagte Karl Luchs, der seit dem Frühjahr der Vorsitzende des
Vereins ist. Während dessen verfolgt er, wie einer seiner Mitstreiter mit
einer Arbeitsbühne in luftige Höhe gehoben wird, um die Windmühlenflügel
zu lösen, damit der Mann im Fahrerhaus des 80-Tonnen-Autodrehkrans
der Firma Thomas Baeck aus Wittenburg dann die tonnenschweren Lasten in
Filigranarbeit am Steuerknüppel aufnehmen und sicher am Boden absetzen
kann. Für Rainer Soltow, der den Kran bedient, kein Problem. Seit 8 Uhr
morgens war er an diesem Sonnabend mit den anderen Helfern vom Förderkreis
im Einsatz, um die erste Etappe als wichtige Vorarbeit für die anstehende
Sanierung dieses technischen Denkmals und Wahrzeichens von Wittenburg in
Angriff zu nehmen.
„Der Ausleger des Krans befindet sich in einer Höhe von 31 Metern,
maximal kann er 50 Meter schaffen“, so Rainer Soltow. Am Boden macht sich
Mühlenbaumeister Zecher unterdessen ans Werk, um Scharniere abzubauen, so
dass die wichtigen Bestandteile der alten Mühle dann sicher gelagert
werden können.
Nach gut vier Stunden ist auch der rund 12,5 Tonnen schwere Mühlenkopf
demontiert und auf Holzklötzen abgesetzt. Letzte große Aktion an diesem
Tag ist dann die Montage der Ersatzhaube, die etwa 1,2 Tonnen wiegt. Als
Rainer Soltow die Last in die Höhe hebt, haben sich einige Mitglieder mit
Karl Luchs schon in das Innere des technischen Denkmals begeben, um das
schwebende Notdach in die richtige Position zu bringen. „Mit der
Demontage, der Einlagerung und Sicherung haben wir vom Mühlenverein, dem
gegenwärtig 18 Mitglieder angehören, schon eine wichtige Voraussetzung für
die anstehende Sanierung geschaffen. Die Zusage über die Fördermittel ist
gegeben, nun muss über die Stadt das weitere Vorgehen angestimmt werden.
So ist ein Architekturbüro zu beauftragen, das die Ausschreibungen
vorbereitet und es ist festzulegen, was an Maßnahmen notwendig ist, um den
alten Zustand wieder herzustellen“, ergänzte Karl Luchs, der sich über den
Einsatz seiner Vereinskollegen freut und auch den Firmen Baeck, Menne aus
Lehsen, die die Arbeitsbühne kostenlos zur Verfügung stellte, und
Mühlenbaumeister Zecher für die Unterstützung danken möchte.
„Im Jahre 2011 soll mit der Sanierung begonnen werden, eine Förderung
von 90 Prozent der Nettosumme gilt als sicher. Das ganze Projekt wird rund
260 000 Euro kosten“, erklärte Karl Luchs.
Michael Seifert

Mit Fingerspitzengefühl durch die Krise
Michael Knull ist einer der beiden letzten Müller im Land / In Rostock
kämpft er in seinem kleinen Familienbetrieb gegen die Konkurrenz der
Großbetriebe
Griffig muss es sein und nicht zu fein. Immer
wieder öffnet Michael Knull die Klappe über den Stahlzylindern seiner
Walzenstühle und greift hinein. In seine Hand rieselt Weizenschrot. Nach mehr
als 20 Jahren in seinem Beruf fühlt der Müller an dem gebrochenen Korn, ob
alle Walzen in seiner Mühle richtig eingestellt sind. „Das Fingerspitzengefühl
ist wohl das Wichtigste“, sagt er über sein Handwerk. Und es ist auch sein
wichtigstes Kapital. Gerade jetzt, gerade in Krisenzeiten.
Von seinem Vater hat Michael Knull einst die Mühle am Rostocker Petridamm
übernommen, der wiederum von seinem Vater. Seit 1924 ist die letzte
funktionstüchtige Mühle Rostocks nun im Besitz der Familie. Ihr heutiger Chef,
Michael Knull, ist ein stiller Mann. Dass er stolz darauf ist, dass die Mühle
an ihrem historischen Standort immer noch arbeitet, verrät nur sein
vorsichtiges Lächeln, wenn er von der langen Geschichte des Betriebes erzählt.
Und davon, wie seine Mühle läuft. Und sie läuft beständig.
Bis zu zwölfmal durch die Walzenstühle
Von halb sechs am Morgen bis in die Abendstunden prasselt das Korn auf
die Stahlwalzen, wird gebrochen, gesiebt, wieder und wieder durch die
Walzen geschickt. Zehn- bis zwölfmal passiert ein einziges Getreidekorn
die Walzenstühle, bis es fein genug gemahlen ist, um als Mehl verkauft zu
werden. Die Kunden sind heute kritisch, das weiß Michael Knull. Nur mit
Qualität kann er sie halten.
Deshalb kontrolliert er immer wieder das gebrochene, gequetschte,
gemahlene Korn, bevor es durch die Plastikrohre in die nächste Maschine
geschickt wird. Mit seiner trockenen rechten Hand greift er unter die
Klappe in den Getreidestrahl, der aus der Reinigungsmaschine rinnt, fühlt,
riecht, prüft, ob noch schwarze Körner zu sehen sind. Michael Knulls Weg
über die verschrammten Dielen ist immer derselbe. Von Maschine zu
Maschine, von Klappe zu Klappe.
Durch den hölzernen Boden dringt das grelle eintönige Motorengeräusch. Im
Keller laufen die Elektromotoren, die alle Geräte auf den drei Etagen des
Backsteingebäudes antreiben. Mit Windkraft wird längst nicht mehr
gearbeitet, jedenfalls hier nicht. „Weil es wirtschaftlicher ist“, sagt
Michael Knull. Und mit der Windkraft, da verdienen heute in Rostock andere
ihr Geld. Die großen Hersteller von Windrädern zum Beispiel. Die haben
ihren Sitz im Industriegebiet. Und ihre Produkte stehen in den großen
Offshore-Windparks, draußen, in der Ostsee.
Von 3000 Standorten sind nur zwei geblieben
Von insgesamt 3000 Mühlenstandorten in Mecklenburg-Vorpommern
sind die Knullsche Mühle in Rostock und die Nordland Mühle in Jarmen
(Kreis Demmin) die einzigen, die übrig gebleiben sind. Die einzigen, die
trotz des Mühlensterbens Anfang des 20. Jahrhunderts, trotz der
Zusammenschlüsse vieler Mühlen zu Produktionsgenossenschaften zu DDR-Zeiten
und trotz der Konkurrenz durch Großbetriebe in anderen Bundesländern zu
Nachwendezeiten noch produzieren.
Warum die Mühle am Rostocker Petridamm als einzige von ehemals etwa 20
Wind- und Wassermühlen in der Hansestadt überlebt hat, kann Michael Knull
nicht erklären. Es müssen eben immer die richtigen Entscheidungen in der
Familie gewesen sein. Wie damals, als sein Großvater nach dem Brand in der
alten Windmühle auf der Anhöhe mit dem gesamten Betrieb in das
Wirtschaftsgebäude an der Warnow umzog und den Antrieb vollständig auf
Gasgeneratoren und Elektromotoren umstellte.
Oder Jahrzehnte später, als sein Vater zu DDR-Zeiten
die Mühle bewirtschaftete und niemals mehr als zehn Angestellte
beschäftigte - den Privatbetrieb deshalb nicht als
Produktionsgenossenschaft führen musste und auch nicht dabei zusehen, wie
er verstaatlicht wurde. „Das war später ein guter Start in die
Marktwirtschaft“, sagt Michael Knull heute. Er selbst stieg 1985 ein,
kennt noch die LKW der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Bäcker- und
Konditorenhandwerks, die täglich kamen und die Mehlsäcke an der Mühle
abholten, um sie zu den Bäckern im Bezirk Rostock zu bringen.
Wenige Kunden suchen regionale Produkte
Heute liefern Michael Knull und seine beiden Angestellten selbst aus.
Auch das ist ein Mittel gegen die Krise: Besserer Service für die Kunden.
Die meisten von ihnen sind immer noch die Bäcker aus der Region. Manche
legen besonderen Wert darauf, dass sie regionale Produkte erhalten. Davon
profitiert Michael Knull.
Sich auf die Wünsche seiner Kunden einzustellen, hat er seit der Wende
gelernt. Einmal in der Woche wirft er nun die alte Schrotmühle an. Auf
traditionelle Weise zermalmen zwei Mahlsteine das Getreide, dass durch ein
Loch im oberen Stein auf die feste Platte darunter rinnt. Das Ergebnis:
Backschrot. 30 Säcke à 50 Kilo pro Stunde. „Wird nur von wenigen verlangt,
aber wir sind die einzigen, die das noch machen“ erklärt Michael Knull.
Das ist wieder so ein Trick.
Der Müller zuckt mit den Schultern, dreht sich zur Mehlmischmaschine
gegenüber des alten Steins und öffnet wieder die Klappe. Mit zwei Griffen
in die zerkleinerten Weizenkörner fühlt er, dass eine der Walzen
nachjustiert werden muss. „Passiert immer, wenn die warm werden“, sagt er.
Das Weizenmehl, das in Pfundpackungen im Supermarkt steht, produzieren
große Industriemühlen. Die Konkurrenzbetriebe in Norddeutschland haben 50
bis 100 Mitarbeiter und sind effizienter bei der Verarbeitung. Um neben
ihnen auf dem Markt zu bestehen, musste sich der Müller vom Petridamm
Nischen suchen. Das Backschrot zum Beispiel. Oder Roggenmehl, das es
früher hier nicht gab. Und das Futtermittel. Michael Knull mischt und
verkauft nun Mais und Weizen als Tiernahrung. Auch Spezialfutter hat er
mittlerweile im Angebot. Das kommt dann allerdings von weiter her, aus
Niedersachsen zum Beispiel. „Manchmal haben wir hier sogar Hirse aus
China“, sagt er und schaut aus dem Fenster nach draußen. Das Licht, das
durch die Scheibe fällt, lässt seine hellen Augen hinter den staubigen
Brillengläsern noch heller wirken. Michael Knull kratzt sich am Hals. „Nur
der Hafer läuft nicht mehr so gut“. Früher hätten viele Pferdebesitzer bei
ihm eingekauft. „Es sind weniger geworden, die sich Pferde leisten“, sagt
er.
Michael Knull macht weiter, trotz der Absatzschwierigkeiten beim Hafer,
trotz der Krise, von der die Leute sprechen. Wichtig sei eben, dass er
weiter auf vernünftige Qualität achtet - vom Einkaufen des Getreides bis
zum Einsacken des Mehls. „Und dann muss man eben gucken, was die Kunden
sonst kaufen wollen“, sagt er. Vielleicht kaufen sie ja doch mehr Futter
für kleinere Tiere. Oder fragen nach solchem für speziellere Arten.
Michael Knull ist zuversichtlich. Er wird es herausfinden. Und auch dabei
ist sein Fingerspitzengefühl sein wichtigstes Kapital.
Christine Weber

Der Taum von zwei Mühlen
Tischler Ingo Arlt saniert die Zwillingswindmühlen Neu Vorwerk

Vor 150 Jahren hatte fast jedes Dorf seine Mühle. Die Müller mahlten
das Korn zu Mehl und Schrot für die umliegenden Bauern und Bäcker.
Windmühlen prägten das Landschaftsbild in Mecklenburg und das
Alltagsleben. Ihre Blütezeit ist längst vorbei, doch bis heute haben sie
nichts von ihrer Faszination verloren. Viele Mühlenfreunde kümmern sich um
den Erhalt der letzten Wind- und Wassermühlen, um diese Zeugen der
Vergangenheit
erlebbar zu machen. Einer von ihnen ist Ingo Arlt.
„Wäre ich 150 Jahre früher geboren, dann wäre ich ganz bestimmt
Windmühlenbauer geworden“, versichert der 39-jährige Goldberger.
Historische Windmühlen sind seine große Leidenschaft. Da er für den Beruf
eines Windmühlenbauers zu spät kam, ist er Tischler geworden. „Die
vielseitige Ausbildung kommt mir jetzt zugute“, sagt der Handwerker, der
in der Parchimer Tischlerei Zierke lernte, noch heute dort arbeitet und in
seiner Freizeit gleich zwei Mühlen saniert.
Etwa 119 Windmühlen und 300 Wassermühlen gibt es heute noch in Mecklenburg-Vorpommern,
so der Mühlenverein MV. Viele sind liebevoll und aufwendig restauriert
worden und dienen heute als Restaurants, Hotels oder Museen.
So mancher Mühle im Land droht aber noch der Verfall. Ein Schicksal, das
auch den „Zwillingswindmühlen“ Neu Vorwerk nördlich von Teterow
bevorstand, wäre da nicht 1991 Ingo Arlt auf seinem Moped zufällig
vorbeigekommen – es war Liebe auf den ersten Blick.
Obwohl die Mühlen längst nicht mehr ansehnlich waren, das Grundstück mit
Schuppen zugebaut, begann Ingo Arlt sich für die beiden
Holländerwindmühlen zu interessieren. Er beschäftigte sich zunächst mit
ihrer Geschichte: „Die kleinere Erdholländer-Mühle
war 1847 durch die Familie von Oertzen auf dem Gut Alt-Vorwerk
errichtet worden. Von 1859 bis 1861 wurde das Gutshaus neugebaut und die
Mühle vom alten Mühlberg an der Straße nach Poggelow abgebaut und an den
jetzigen Standort nach Neu Vorwerk umgesetzt. Wie im preußischen Sanssouci
wollte man nämlich vom Schlossfenster aus eine Windmühle sehen“, erzählt
Ingo Arlt. Später ist die Gutswindmühle verpachtet worden.
Wechselvolle Geschichte
Mit der Bodenreform 1946 wurde das Gut Alt Vorwerk enteignet.
Eigentümer der Mühle wird danach Müllermeister Bünger. Die Mühle erhält
Stromanschluss – wahrscheinlich als eine der letzten in Deutschland. Weil
Strom aber 1946 nur zeitweise vorhanden ist, arbeitet der Müller weiterhin
mit Wind. 1949 wird dann die größere Galerieholländer-Windmühle
errichtet. Während bei einer Erdholländer-Mühle
die Flügel fast bis zur Erde reichen, gehen die Fügel der Galerieholländer
nicht so tief. Diese Mühlen haben einen mehrstöckigen Unterbau – die
Galerie. Holländermühlen setzten sich im 17. Jahrhundert durch. Davor gab
es die Bockwindmühlen. Bei ihnen musste das gesamte Mühlengehäuse mit dem
Mahlwerk in den Wind gedreht werden. Bei den Holländermühlen dagegen wurde
nur noch der obere Teil mit den Flügeln in den Wind gedreht.
Die Galerieholländer-Mühle in Neu Vorwerk gehört
zu den letzten Windmühlen-Neubauten für
gewerbliche Müllerei in Mecklenburg. 1961 erfolgte die Verstaatlichung.
1967 wurde die große Mühle als Mischfuttermühle für die LPG umgerüstet,
die Flügelanlage zerstört. Nach der „politischen Wende“ gingen 1991 in Neu
Vorwerk „die Lichter aus“, wie Ingo Arlt sagt. Aus dem Mühlenstandort
wurde schnell eine Müllkippe für alte Kühlschränke und Autos. Er musste
zuerst tonnenweise Schutt wegräumen, als er 1995 begann, das
Mühlenensemble zu sanieren.
Mühlen und Grundstück hatte er zuvor erworben. Seither verbringt Ingo Arlt
jede freie Minute in Neu Vorwerk. Von seiner Freundin verlangt das viel
Verständnis, gesteht er. Inzwischen hat die große Galerieholländer-Mühle
wieder handgefertigte Holzschindeln. Und eines Tages werden sich wieder
Flügel drehen. Ein funktionstüchtiges technisches Denkmal sollen die
Zwillingswindmühlen werden – das ist der Traum von Ingo Arlt. Wenn es
soweit ist, wird er die Mühlenflügel sicher als Freudenschere in Position
bringen.
Tipp: Am Pfingstmontag, dem
alljährlichen Mühlentag, hat Ingo Arlt seine Zwillingswindmühlen für
Besucher geöffnet.
Informationen gibt er auch unter
www.zwillingswindmuehlen.de
Von Ute Pilz
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Schlafen unterm Mehlsack
Ronny Grubitz baut Goldberger Mühle zum Feriendomizil um
Als Kind hat
Ronny Grubitz auf dem Feld hinter der Goldberger Mühle am See Schilf
geschnitten, nun gehört die Mühle ihm. Nach und nach baut der selbstständige
Maschinenbauer das rund 150 Jahre alte Gebäude zu Ferienwohnungen um. Ob die
Mühle eines Tages wieder Flügel haben wird, steht allerdings noch nicht fest.
Dass Ronny Grubitz eines Tages Besitzer einer Mühle sein wird, das hätte
der gebürtige Goldberger nicht gedacht. Vor vier Jahren ersteigerte er das
seit Jahren an der B 192 bei Goldberg leer stehende und ungenutzte Gebäude.
„Oft sind meine Frau und ich daran vorbeigefahren“, erzählt der 39-Jährige
„und haben gedacht, dass es schade um die Mühle ist.“ Als sie dann von ihrem
Hamburger Vorbesitzer zur Versteigerung frei gegeben wurde, hat Ronny Grubitz
zugeschlagen, um etwas zu tun für seine Heimatstadt, die er kurz nach der
Wende in Richtung Ruhrgebiet verlassen hat und in die er regelmäßig am
Wochenende zurückkehrt. Seitdem ist der Besitzer der rund 23 Meter hohen Mühle
mit Unterstützung seiner Familie dabei, sie auszubauen. Zwei exklusive
Ferienwohnungen – eine über zwei Etagen im Bauch der Mühle, die andere im
achteckigen Turm – sollen darin entstehen, im neuen Seitenanbau wird es auch
einen Whirlpool geben.
Bis auf die Außenmauern muss der selbständige Maschinenbauer in dem rund
Gebäude so ziemlich alles erneuern – von den alten Fenstern sind nur die
Gitter über, neue Fenster wurden dahinter gesetzt und halten Wind und Regen
ab, der Boden wurde einen Meter angehoben, die riesigen Stützbalken waren von
innen verfault und mussten ausgewechselt werden. Dafür wurde sogar das Dach
angekippt, die Schindeln darauf aus Eichenholz sollen demnächst durch neue aus
kanadischem Zedernholz ersetzt werden. Auch eine Galerie, die einst dem Müller
diente, um die Flügel anzuhalten, wird wieder um die gesamte Mühle angebracht.
Die Kappe der Mühle ist bereits abgenommen und wurde von einem
Mühlensachverständigen begutachtet. „Flügel können an dieser Kappe nicht
befestigt werden“, sagt Ronny Grubitz. Da muss schon eine neue her. Wenn sich
dann noch die Flügel drehen sollen, wie es sich für eine richtige Mühle
gehört, ist das gleich 26 Mal so teuer, als wenn er die vorhandene Kappe
einfach wieder drauf setzen würde. Mühle mit oder ohne Flügel – noch hat sich
Ronny Grubitz nicht entschieden. Eines aber ist sicher: Schon zu DDR-Zeiten
wurde hier das Korn mit einem Motor gemahlen, Flügel waren nicht mehr
notwendig. Anfang der 1980-er Jahre wurde hier der letzte Mehlsack
herausgefahren. An diese Zeit erinnert heute eigentlich nur noch die
Hängevorrichtung für die Absackung an der Decke. Mit einem Fahrstuhl, erinnert
sich Winfried Svenson, Schwiegervater von Ronny Grubitz, sei die Müllerin zu
der Zeit mit den leeren Säcken hoch und mit den vollen wieder herunter
gefahren.
Lieber Schrauben und Metall als Mehl und Körner
25 Kilo- oder ein Zentnersäcke waren früher üblich, ergänzt sein Schwiegersohn
Ronny Grubitz. Das weiß er, weil er früher öfter seinen Onkel in die andere
Mühle, die es mal in der Langen Straße in Goldberg gab, begleitet hat.
Auch wenn er jetzt Besitzer einer Mühle ist, Müllermeister wäre Ronny Grubitz
nicht gern geworden. „Ich habe es mehr mit Schrauben und Metall, statt mit
Körnern und Mehl.“
Wann die Mühle fertig umgebaut ist, kann er nicht sagen, drängen will er sich
nicht lassen. Bis zu seiner Rente zumindest sollen die ersten Gäste schon hier
Urlaub gemacht und den traumhaften Blick aus den kleinen Dachfenstern auf den
Goldberger See genossen haben.
Undine Brandt
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Historische Mühle schrotet wieder
Grabow
(thme) • „Wir verarbeiten
ausschließlich Getreide aus kontrolliertemAnbau“, berichtet Erik Herrmann,
während er mit einer Schütte Roggenkörner in die historische Schrotmühle in
seiner Backstube gibt. Das Wunderwerk der Technik, das mit einem Riemen
angetrieben wird, ist etwa 100 Jahre alt und wurde ursprünglich von der Firma
Soyk aus Grabow gebaut.
„Ich habe sie bei Dömitz auf einem Dorf in einer Scheune gefunden“, erinnert
sich der 41-Jährige Bäckermeister, der zusammen mit seinem Berufskollegen
Mario Sohst auf die Idee kam, das traditionelle Mahlwerk, das seit mindestens
drei Jahrzehnten still stand, nun wieder gangbar zu machen. „Also haben wir
die Mühle völlig zerlegt, gesäubert und wieder zusammengesetzt.“ Hintergrund
der Aktion ist die Tatsache, dass es in der Bunten Stadt an der Elde bereits
seit 15 Jahren keine Mühle mehr gibt, die Schrot zubereiten könnte. Selbst in
Parchim, wo die beiden Bäckersleut bisher ihr Schrot herbekamen, stehen die
Walzen seit fünf Jahren still. „Die haben für uns sonst immer ein
speziellesSchrot hergestellt“, erklärt Mario Sohst, den schon länger stört,
dass Großmühlen immer das Mehl aus dem Schrot sieben. „Das fehlt uns dann beim
Klebeeffekt des Teiges und muss eigens zugesetzt werden“, berichtet der
43-Jährige weiter. Die Probeläufe mit der restaurierten Schrotmühle seien
zufrieden stellend verlaufen, so, dass es ab heute wieder echtes Grabower
Schrot als Roggen- oder Weizenbrot bei ihm und Erik Herrmann gäbe.
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Nie wieder „Elde-Mehl“
Mühlenstadt Parchim verliert Wahrzeichen / Das Aus am
Fischerdamm
Heute um 12 Uhr werden die Mühlen am Fischerdamm abgeschaltet. Die VK
Mühlen AG lagert die Produktion zum 31. März endgültig aus. Die letzten vier
Mitarbeiter beginnen in diesen Tagen mit dem Ausräumen.
Parchim. von Nicole Buchmann Das Wandern ist des Müllers Lust, heißt
es in einem Volkslied. Die Mitarbeiter der Elde-Mühlen
GmbH sind eigentlich ganz sesshaft und zum Teil 40 Jahre in dem fast 200 Jahre
alten Mahlbetrieb.
Fast. Was Walter Scheurich vor zwei Jahren schon geahnt hat, ist nun
Wirklichkeit. Der langjährige Geschäftsführer steht schweigend vor einem
40-Tonner aus Berlin, der seinen Tank mit Mehl auffüllt. Es ist einer der
letzten von etwa zwanzig, die in den kommenden zwei Wochen die restlichen 500
Tonnen abholen. Denn ab heute Mittag stehen die Mühlen still.
Seit Dezember wird schon kein Roggenmehl mehr produziert, von der zum Januar
auf acht Leute reduzierten Belegschaft sind nur noch vier geblieben. Einer von
ihnen ist Maik Logall – der Betriebsleiter. Walter Scheurich hat den jungen
Mann auf die Nachfolge vorbereitet, bevor er sich in den Ruhestand
verabschiedete.
Ein Stück Eldestadt wird Geschichte
Darauf, dass die Mühle zum 31. März endgültig geschlossen werden
soll, konnte er den 27-Jährigen nicht wirklich vorbereiten. Die Flure im
Verwaltungstrakt sind verwaist, die Stühle um den langen Tisch im
Frühstücksraum leer. „Jetzt, wo ich mit meinem Schichtmeister hier alleine
sitze, merkt man erst, was hier wirklich passiert“, sagt Maik Logall. Ein
wenig stiefmütterlich behandelt fühlen sich die Kollegen, auch wenn ihnen die
VK Mühlen AG neue Jobs im Konzern beziehungsweise in der Branche vermitteln
will. „Die Hamburger denken in anderen Dimensionen“, meint der junge
Müllermeister.
Walter Scheurich vermutet, dass freie Kapazitäten an anderen Konzernstandorten
wie etwa in Berlin Grund für die Schließung sind. „Wir waren gut ausgelastet,
haben 160 Tonnen Getreide pro Tag vermahlen, 41000 waren es im Jahr.“ Doch
längst sind auch der hauseigene Fuhrpark, die Buchhaltung und das Controlling
ausgelagert. Im Labor herrscht gähnende Leere.
Vergangene Woche kam letztmals Getreide. Ein letztes Mal durchläuft es bis
heute Mittag die insgesamt zwanzig Stationen, werden die Mühlenwalzen aus dem
VEB-Kombinat in Wittenberg das Korn zu feinem Mehl
zermalmen. Dann schalten Maik Logall und sein Schichtmeister die Maschinen ab.
„Dass hier nie wieder produziert wird –.“ Dem Betriebsleiter fehlen die Worte.
Blass sind seine Wangen, seine Worte wählt er mit Bedacht. „Die Entscheidung
des Konzerns kam schon ziemlich überraschend“, sagt er. Schließlich habe man
2007 die Mühle nach internationalen Standards zertifzieren lassen – nur für
die Großbäckerei Kamps am Standort Lüdersdorf, den zuletzt einzigen Kunden.
Arbeitsplätze weg – Immobilie leer
„Schlimm, dass produktive Arbeitsplätze wegfallen“, sagt Holger
Geick, Wirtschaftsamtsleiter im Parchimer Rathaus. Aber es habe sich
angebahnt, erinnert er an die Gespräche von vor zwei Jahren.
Damals, sagt Rolf Brack, sei die Entscheidung, die Mühle zu schließen, schon
gefallen. Nur im Hinblick auf Kamps habe man den Betrieb noch aufrecht
erhalten, so der Vorstandsvorsitzende der VK Mühlen AG gegenüber SVZ. Zudem
habe man seinerzeit deutlich gemacht, dass die Elde-Mühlen
kein Zukunftsstandort seien. Die hohen hygenischen Standards in der alten
Mühle könnten auf Dauer ohne horrende Investitionen schlichtweg nicht
eingehalten werden.
Was aus der dann ungenutzten Immobilie wird, wisse man noch nicht, sagte Rolf
Brack. „Dazu wird es ein Gespräch mit dem Bürgermeister geben.“
„Die Mühle wird wohl im Ganzen verkauft“, glaubt Walter Scheurich. Aber ihn
beschleiche ein ungutes Gefühl bei der Vorstellung, wenn das dann nicht mehr
genutzte Gebäude mit Brettern vor den Fenstern gesichert werden muss.
Maik Logall hat von der VK Mühlen AG ein Angebot in Köln bekommen – als
Assistent in der Produktionsleitung. „Das wird schon eine Umstellung – hier
Haus und Hof und dort arbeiten. Ich weiß noch nicht, wie ich das alles unter
einen Hut kriege – per Funksteuerung vielleicht“, sagt er und lächelt müde.
Sein Schichtmüller weiß noch nicht, wie es für ihn weiter geht. „Die hätten
die Mühle laufen lassen sollen“, meint Frank Bünger, der in Hamburg und Lübeck
nach einem neuen Job sucht.
Umfrage:
 |
Wolfgang Waldmüller,
Parchim
Dieser Standort hat Tradition und wäre allein überlebensfähig und der
Standort hätte erhalten werden müssen. Das Konzerndenken ist kaum
nachvollziehbar. |
 |
Karl Frank,
Spornitz
Ich bin sehr traurig. Damit geht ein Wirtschaftsstandort für Parchim und
die Umgebung verloren. Das Areal könnte zum Schandfleck werden wie einst
die Tuchfabrik in der gleichen Straße. |
 |
Elke Skiba,
Parchim
Das ist die Fortsetzung von Dassow und der Zuckerfabrik in Güstrow.
Warum weite Transportwege bei den Spritkosten künftig sein müssen, ist
nicht verständlich. |
|
Umfrage: M.-G. Bölsche |

Mühle ist unter der "Haube"
Goldenbower Bauwerk hat seinen sanierten Kopf wieder
Jetzt sieht die Goldenbower Mühle wieder wie eine richtige Mühle aus. In
dieser Woche erhielt sie ihren Mühlenkopf, der nach umfangreicher Sanierung
künftig all seinen Funktionen gerecht wird. Zwei Kräne hoben den rund 16
Tonnen schweren Mühlenkopf sicher in die Höhe und setzten ihn millimetergenau
an seinen angestammten Platz. In den vergangenen drei Monaten wurden in
Handarbeit unter anderem Haupttragebalken erneuert und das Dach regendicht
gemacht. Außerdem ist die zuvor fehlende Flügelbremse ersetzt worden. Eine
Windrose wird noch installiert. Die Stendaler Holzfirma Ulrich Blümner und die
Dachfirma WEKO aus Spornitz leisteten gute Arbeit.
siehe auch:
hier
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Mühle in Goldenbow ist flügellahm
Goldenbow vkmg Seit gestern ist es auch nach außen
sichtbar, dass wieder Leben in die Goldenbower Mühle eingekehrt ist. Die
größte Hochholländer-Galeriemühle Mecklenburgs ist vorübergehend
„flügellahm“. Während ein Kran am Vormittag die Flügel abnahm, wurde am
Mittag mit Hilfe eines weiteren Kranes die Kappe entfernt. In den nächsten
drei Monaten folgen nun umfangreiche Werterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen.
So müssen vergammelte Haupttragebalken erneuert und das Dach regendicht
gemacht werden. Außerdem wird die bislang fehlende Flügelbremse ersetzt und in
einem späteren Arbeitsschritt wird eine Windrose installiert. Damit wird eine
wichtige Voraussetzung geschaffen, die Mühle in den Wind stellen zu können und
die Flügel nach vielen Jahren wieder drehbar zu machen.
Verantwortlich für dieses neue Leben der Goldenbower Mühle sind Silke Fette
und Peter Märzke. Beide haben im vergangenen Dezember die Mühle erworben, die
zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren ein tristes Dasein fristete und auf neue
Besitzer wartete.
Mit Eigenkapital und viel Kredit und noch viel mehr Engagement sowie
Enthusiasmus bekommt diese Mühle nun eine neue Chance, zunächst als
Ferienwohnung. Bereits im Inneren hat sich viel zum Positiven verändert und
der Besucher staunt über die neue Größe der Räume sowie über die stilvoll
gestalteten Räume. Besonders schön: Überall ist der Mühlencharakter erhalten.
Ab Frühherbst sollen in der dann fertiggestellten Ferienwohnung die ersten
Gäste übernachten.
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15.03.2006 Schweriner Volkszeitung,
Regionalausgabe Parchim, Sternberg, Lübz
Mit „Glück zu“ in
Wittenburgs Mühlensaison
Förderkreis
beschloss Vorhaben für 2006 / Höhepunkt wird Mühlentag im Juni
Wittenburg • Die Mitglieder des
Vorstandes des Förderkreises Mühle Wittenburg e.V. haben sich auf die
Höhepunkte des laufenden Jahres verständigt. Das Mühlenensemble spielt dabei
eine entscheidende Rolle.
Anliegen der Mitglieder des Förderkreises Mühle Wittenburg e.V. ist es,
Brauchtum zu pflegen und historische Bauten zu erhalten und für Interessierte
zugängig zu machen. Auf dem Mühlenberg in Wittenburg, in unmittelbarer
Nachbarschaft zur Mühle und zum Hallenhaus, sind die Mühlenscheune und
historische Landtechnik zu finden. Zudem sammelt der Förderkreis finanzielle
Mittel, um die ehrenamtliche Arbeit aufrecht erhalten zu können.
Das aktuelle Arbeitsprogramm umfasst u.a. die weitere Wartung und Pflege der
Mühle und des Kräutergartens.
„Das ist für uns eine wichtige Aufgabe, insbesondere wenn wir einen
Ein-Euro-Job-Beschäftigten bekommen sollten, der sich dann um die Pflege des
Kräutergartens an der Mühle kümmern wird. Nach Möglichkeit wollen wir auch
weiterhin historische Landtechnik aufarbeiten“, sagte der Vorsitzende des
Förderkreises unter Hinweis darauf, dass im Frühjahr die Stelle für einen
Ein-Euro-Job-Beschäftigten beantragt werden soll.
Höhepunkt der diesjährigen ehrenamtlichen Arbeit ist wiederum der Mühlentag am
5. Juni auf dem Mühlenberg. Zusammen mit der Stadt wird der Förderkreis diesen
Tag gestalten. „Wir wollen das Niveau des Wittenburger Mühlentages, des
mittlerweile 6., bewusst historisch gestalten. Aus unserer Sicht haben deshalb
solche Ereignisse, wie die Mühle in den Wind drehen, darstellen, wie ein
Hufschmied arbeitet, eine Schrotmühle in Aktion erleben oder eine
Mähbinder-Ausstellung für uns eine wichtige Bedeutung. Die Besucher werden
Anfang Juni wiederum einen erlebnisreichen Tag auf dem Mühlengelände erleben.
Und wir würden uns freuen, wenn auch in diesem Jahr die Hundeschule Maschke
aus Banzin wieder mit dabei sein würde. Die Vorführungen im vergangenen Jahr
kamen bei den Besuchern sehr gut an. Die Veranstaltung basiert auf drei
Säulen, den Part, den wir einbringen, kulturelle Einlagen und Angebote
einschließlich verschiedener Handelsstände. Das wird von der Stadt mit
vorbereitet und weiterhin die gastronomische Betreuung durch die dortigen
Gaststätte.“ Rund 1300 Besucher fanden zum Mühlentag 2005 den Weg auf das
Mühlengelände.
Außerdem hat sich der Förderkreis darüber verständigt, ein „Kleines
Eseltreffen“ zu unterstützen, zu dem am 2. Juli auf das Mühlengelände
eingeladen wird. Norbert Fenske ist ein Esel-Fan und mit seinen Tieren oft in
Wölzow und Umgebung unterwegs. Alle Interessenten sind heute schon zum
Eseltreffen eingeladen, freut er sich auf die Vorhaben in der neuen
Mühlensaison, die mit dem Gruß der Müller „Glück zu“ in ein neues Vereinsjahr
starten.
Dieter Hirschmann
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15.01.2004 Schweriner Volkszeitung,
Lokalausgabe Parchim
Windmühlen sind auch Leuchttürme für Tourismus
Gemeinsames Projekt der Imagewerbung
vorgestellt
Parchim/Banzkow In der Lewitz-Mühle
Banzkow wurde gestern das erste Projekt der "Mühlenwege in
Mecklenburg-Vorpommern" offiziell vorgestellt. 12 Partner, darunter die Stadt
Parchim, die Eldemühle, die Landpute sowie der Pingelhof, haben sich
zusammengetan, um gemeinsam aktiv für ihr Unternehmen und für das neue
gemeinsame Projekt zu werben.
"Wir haben Firmen und ihre Angebote unter einer neuen Dachmarke
zusammengefasst. Dieses gemeinsame Netzwerk gilt es nun zu vermarkten", so der
Projektleiter im IHK-Bildungszentrum, Jörg Audörsch. Dieses Netzwerk soll den
Tourismus in das Land ankurbeln und neugierig machen auf die Mühlen im Lande.
Doch es geht nicht um das "Vorbeifahren", sondern um das "Erleben" der Mühlen
als Hotel, als Kulturstätten im Zusammenhang mit weiteren Angeboten der
Wirtschaft und der Gastronomie. "Es ist das erste Mal gelungen, eine ganze
Region zu verbinden, dies gilt es nun, aktiv zu bewerben", lobte Holger Geick,
Wirtschaftsamtsleiter der Stadt Parchim. Rolf Holst vom Pingelhof meint, "wenn
die Menschen nicht kommen, dann bleibt dieses Projekt nur Stückwerk". So wird
nun auf den verschiedensten Messen im Land auf die Region Westmecklenburg
hingewiesen.
Weitere Projekte von Rostock bis zur Insel Rügen sollen in den nächsten Wochen
folgen.
Michael-Günther Bölsche
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04.11.2003
Schweriner Volkszeitung,
Lokalausgabe Parchim
Hier treffen sich nur
noch Mäuse
Goldenbower Mühle unter
Zwangsverwaltung /
Interessenten scheiterten am Geld
Goldenbow.
Seit Ende Februar ist es still geworden um die Mühle in Goldenbow. Wo einst
die Gäste durch eine ausgezeichnete Gastronomie mit heimischen Produkten und
mit vielen kulturellen Veranstaltungen verwöhnt wurden, sind nun nur noch die
Mäuse zu Hause. 1924 eröffnete in Goldenbow, wo sich zuvor bereits seit 1863
die Flügel einer Erdholländermühle drehten, Heinrich Pagenkopf die jetzige
Hochholländergaleriemühle. Es ist mit 23 Metern die höchste Galeriemühle
Mecklenburgs und sie hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Bis
Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde noch geschrotet,
doch dann begann der vorläufige Verfall. Mitte der achtziger Jahre erinnerte
nur noch eine Ruine an die einst besseren Zeiten.
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Der Winteranblick der
Goldenbower Mühle sollte nicht zum "Dauerwinterschlaf" ausarten. |
Arvid Kremer und die
damalige LPG hatten eine Idee: Sie wollten der alten Mühle mit einer Bäckerei
und einem Café zu neuem Leben erwecken. Doch die politische Wende sorgte für
eine Pause der bereits begonnenen Sanierungsarbeiten. Erst 1994, als Jürgen
Schulz das Gebäude erwarb, begann die Fortsetzung der umfangreichen und
kostspieligen Rekonstruktion und am 1. Juni 1995 öffnete die Mühle als
Gastronomie. Tausende kamen hierher, um die regionale Küche zu kosten oder eine
der zahlreichen Veranstaltungen zu besuchen. Doch zum 1. Februar schlossen sich
die Türen erneut auf unbestimmte Zeit. "Die wirtschaftliche Situation hat mich
zur Aufgabe der Gastronomie gezwungen", erklärt Schulz. Seither ist es still
geworden um die Mühle. Viele Besucher können nur noch von außen das Gebäude
bestaunen doch wie lange noch? Wenn sich nicht bald wieder ein neuer Betreiber
findet, dann droht der Mühle statt einer zünftigen 80. Geburtstagsfeier im
nächsten Jahr noch einmal das Schicksal des Verfalls. Die kommende
Winterperiode wird sicherlich diesen beschleunigen.
Zurzeit wird die Mühle zwangsverwaltet. Das heißt, die Verwaltung und Nutzung
des Grundstückes werden durch richterliche Anordnung dem Schuldner entzogen und
einem Zwangsverwalter anvertraut. Etwaige Interessenten darunter auch aus
unserer Region scheiterten nach deren Angaben am Preis bzw. an der
Bereitstellung nötiger Kredite. Nach Recherchen unserer Zeitung soll sich
derzeit noch mindestens ein Käufer ernsthaft für die Mühle interessieren. Dieser
möchte den unteren Bereich weiter als gastronomische Einrichtung nutzen, während
in der Mitte eine Ausstellungsgalerie und oben Büroräume entstehen sollen. "Wir
sind bereit und warten jetzt auf die uns angekündigte Zwangsversteigerung und
hoffen dann auf den Zuschlag", so der nicht öffentlich genannt sein wollende
Investor.
Nach Angaben von Jürgen Schulz hatte es dagegen bisher nur einen Interessenten
gegeben, der aus Finanzgründen absprang. "Zurzeit gibt es nach meinem Wissen
keinen Käufer. Ich könnte mir durchaus auch einen Pächter vorstellen, den es
aber auch meinen Kenntnissen nicht gibt", so Schulz. Per Internet wurde von
Maklern die Kaufsumme für Immobilie, Grundstück und Inventar mit 470.000 Euro
angegeben.
Der einstige Mitinitiator der Sanierung der Mühle, Arvid Kremer, gegenüber SVZ:
"Der Zustand der Mühle wird nicht besser, es sollte nicht gepokert werden. Alle
an einen Tisch und gemeinsam an einem Strang ziehen und nach Lösungen suchen,
dann hat die Mühle wieder eine Chance. Verdient hat sie es", so Kremer. Auch der
Enkel des Mühlenerbauers von 1924, Christian Pagenkopf, bedauert den Stillstand.
"Wir hoffen, dass sich der Zustand bald wieder ändert und die Mühle nicht einem
erneuten Verfall preisgegeben wird, damit die vielen Arbeitsstunden der
Aufbauhelfer nicht umsonst waren und Goldenbow möglichst schnell wieder seine
öffentliche Sehenswürdigkeit
behält", so der Urenkel.
Michael-Günther Bölsche
PS. Anfang Dezember wurde
bekannte, dass die Mühle nun privat verkauft wurde und als Wohnraum genutzt
werden soll!
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23.10.2003 Schweriner Volkszeitung,
Lokalausgabe Sternberg
Geschafft: Dabeler Mühle
hat Flügel
Soldaten hatten die vier
Flügelblätter saniert / Zusammenarbeit geht 2004
weiter
Dabel. Unter Anteilnahme vieler Schaulustiger aus Dabel und der Region
wurden gestern die sanierten Flügel der 111 Jahre alten Dabeler
Holländer-Windmühle nach achtjähriger Unterbrechung wieder aufgesetzt. Möglich
wurde dies durch viele freiwillige Arbeitseinsätze von Soldaten der 1.
Batterie des Panzerartilleriebataillons 405, der Pateneinheit der Gemeinde
Dabel.
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| Während des Aufbaus der
Mühlenräder |
Er sei so aufgeregt gewesen, dass er die halbe Nacht nicht geschlafen
habe, bekannte der Zwillingsbruder des Müllers, Eckhart Döscher, ein
ehemaliger Postangestellter. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Müller Fritz,
habe man dem großen Tag förmlich entgegengefiebert. Als dann am Morgen der
gemietete Kran und die vier Spezialhandwerker des Mühlenbaubetriebes Wilhelm Pätzmann aus Winsen/Luhe auf dem Mühlenhof anrückten, gab es für die beiden
60-Jährigen kein Halten mehr: Emsig wie die Bienen gingen sie mal hier und mal
da zur Hand, denn keine Fremden kennen ja die Mühle und deren Eigenheiten
besser als Fritz und Eckhart Döscher.
Goldenbow. Die am 1. Juni 1995 als gastronomisches Kleinod eröffnete
Goldenbower Mühle schließt zum 1. Februar 2003 ihre Türen. "Die
wirtschaftliche Talfahrt im Lande hat mich gezwungen, alle meine Verträge
fristgerecht zu kündigen und den gastronomischen Geschäftsbetrieb
einzustellen", so Mühlenwirt Jürgen Schulz gegenüber unserer Redaktion. Mehr
als eine Million D-Mark, über Kredite finanziert, hatte er in die Sanierung
gesteckt. "Durch die dünne Eigenkapitaldecke sowie den seit drei Jahren
abwärts gehenden Trend in der Wirtschaft war keine kostendeckende Arbeitsweise
mehr möglich", begründet Schulz diesen schwerwiegenden Schritt. Mit der
Schließung gehen auch vier Arbeitsplätze verloren.
Die größte Hochholländergaleriemühle Mecklenburgs aus dem Jahre 1924 war durch
die vielen kulturellen Veranstaltungen und die regionale Küche weit über die
Kreisgrenzen hinaus beliebt. Auch die Mecklenburger Mühlen Rallye sie wird
auch weiterhin stattfinden wurde hier aus der Taufe gehoben.
Bleibt nur zu hoffen, dass baldmöglichst ein neuer Betreiber gefunden wird,
damit diese Einrichtung wieder geöffnet werden kann. Sonst droht neben der
Schließung auch ein baulicher Verfall.
Michael-Günther Bölsche
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08.04.2002
Schweriner Volkszeitung,
Lokalausgabe Parchim
Goldenbower Mühle entwickelt sich weiter zur "Kultur-Stätte"
Umfangreiches Kulturangebot in rustikaler Umgebung sehr beliebt
Goldenbow. Bereits in der Vergangenheit haben sich die Gastronomen der
Goldenbower Mühle neben dem reinen Restaurantgeschäft auch um kulturelle
Höhepunkte bemüht. Stabilisiert hat sich beispielsweise die "Mecklenburger
Mühlen Rallye", die gemeinsam von der Schweriner Volkszeitung und dem Sender
Antenne Mecklenburg-Vorpommern unterstützt wird. Am 11. Mai starten die
Oldtimer um 10 Uhr wieder zu ihrer Tour durch Westmecklenburg. Am Nachmittag
gibt es ein buntes Programm, gegen 16 Uhr werden die Benzinkutschen zurück in
Goldenbow erwartet.
Aber auch in den rustikalen Räumen der Mühle finden viele Veranstaltungen
statt. Der Fritz-Reuter-Klub aus der Kreisstadt gastierte hier mehrfach. Die
Weinabende der Hambacher Schlosskellerei, in Verbindung mit einem pfälzischen
Mehr-Gänge-Menü, gehören mittlerweile zum jährlichen Angebot. Die nächste
Veranstaltung dieser Art ist für den 13. April um 19 Uhr vorgesehen.
Sehr gut angenommen wurden die bisher durchgeführten zwei Schweijk-Abende mit
dem Schweriner Schauspieler Eckehard Hahn. Für den 27. April ist die dritte
Folge geplant. Selbstverständlich gehört dazu ein entsprechendes böhmisches
Menü", verspricht der Mühlenwirt Jürgen Schulz.
MGB
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24.10.2001
Schweriner Volkszeitung,
Lokalausgaben
Parchim und Lübz
Flügel
der Mühlen zieren in der Region nur noch Denkmale
Bauwerke künden vom Handwerk vergangener Jahrhunderte / Zustand oft
katastrophal
Parchim. Windmühlen aus dem 19. Jahrhundert prägen die Landschaft
Mecklenburg-Vorpommerns. 21 verschiedene Mühlen werden derzeit im Landkreis
gezählt. Deren Zustand und Verwendung ist sehr unterschiedlich und reicht
von Gastronomie über rein private Nutzung bis zum fast verfallenen Zeugnis
vergangener Jahrhunderte.
von Michael-Günther Bölsche
Die Geschichte der Mühlen begann eigentlich mit dem Anbau von Getreide.
Schließlich musste das geerntete Korn zerkleinert werden. Mit Hilfe so
genannter "Reibsteine" wurden die Körner zerrieben, später entstand
der Mörser und daraus resultierten die durch Tierkraft angetriebenen ersten
Mühlen. Später folgten die Wassermühlen, die in Mesopotamien die Felder
bewässerten und aus denen Tretmühlen entstanden. Windmühlen kamen im
deutschen Raum etwa im 11. Jahrhundert auf. Die älteste Form ist die
Bockwindmühle. Dabei stand das gesamte drehbare Mühlenhaus auf einem Bock
und musste komplett in den Wind gedreht werden. Im Gegensatz zu den
Bockwindmühlen wurde bei den Holländerwindmühlen nur noch der obere Teil
mit den Flügeln in den Wind gedreht. Dies hatte unter anderem den Vorteil,
dass die Standfestigkeit enorm erhöht und durch die Königswelle
(Hauptachse) mehrere Mahlgänge gleichzeitig ermöglicht wurden. Je nach
Bauart unterscheiden sie sich in Erdholländerwindmühle, Galerieholländerwindmühle
oder Steinerne Turmholländerwindmühle.
Märchen und Sagen ranken um Mühlen
In der Bevölkerung spielten Müllersleute und die Mühlen eine
besondere Rolle. Oft galt dieser Ort für dämonische Umtriebe. Schuld daran
ist zum Teil die isolierte Lage außerhalb des Ortes auf einer Anhöhe und
die klappernden Geräusche. Viele Märchen und Sagen gibt es, wie das "Märchen
von den sieben Raben" von den Gebrüdern Grimm. Viele Mühlen sind
heute nicht mehr existent. Oft erinnern nur noch Wege- oder Ortsnamen an
einen früheren Standort. So beispielsweise der Mühlenhofer Weg in
Mestlin
bzw. der Nachbarort Mühlenhof. In
Mestlin stand auf der heutigen
renaturierten Deponie eine Bockwindmühle, die im Mai 1945 den Flammen zum
Opfer fiel. Der Ortsname Mühlenhof weist zwar auf eine Mühle hin,
nachgewiesen wurde sie jedoch bisher nicht.
Im
Landkreis Parchim werden nach Angaben der Kreisverwaltung derzeit 21 Mühlen
gezählt. Deren Zustand ist aber sehr unterschiedlich. Die Goldenbower Mühle
ist im Top-Zustand und dient als Gaststätte, ebenso die
Banzkower
Lewitz-Mühle,
an der zusätzlich ein Hotel und Wellnessbereich angeschlossen ist. Die
Goldberger Windmühle ist trotz mehrfachen Versuches einer Sanierung und
Neunutzung noch immer eine Ruine. Die ehemalige Parchimer Wassermühle aus
dem Jahre 1828/29 ist noch neben der ehemaligen Tuchfabrik am Fischerdamm,
zu sehen.
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Fritz Döscher
erläutert Reisegruppen die Technik der Dabeler Mühle |
Die Dabeler Mühle, auch Namensgeber einer Unterhaltungssendung
bei NDR-Radio MV, ist zwar noch technisch funktionstüchtig, doch fehlen
seit längerem die Flügel.
Vor dem Verfall gerettet wurde die Grebbiner Mühle. Hans-Eike Müller hat
diese in mühevoller jahrelanger Arbeit wieder aufgebaut. Jetzt dient sie
als private Wohnstätte, wobei das Innere des Mühlencharakters weitgehend
erhalten bzw. wieder hergestellt wurde. Der kraftvolle und meist nicht
leichte Einsatz von Mühlenliebhabern hat den weiteren Untergang von Mühlen
der unterschiedlichsten Bauart verhindert. Ihnen sei an dieser Stelle einmal
Dank gesagt für ihr Engagement zur Erhaltung wichtiger Bauten aus vergangenen
Jahrzehnten.
Im Land Mecklenburg-Vorpommern sind 156 Mühlen unterschiedlichster Bauart
zurzeit erfasst. Der Landkreis Ostvorpommern hält mit 32 Mühlen die
Spitze, 28 Mühlen sind es im Landkreis Güstrow. Der
Kreis Parchim hält
mit 21 Mühlen den dritten Platz. Die meisten Mühlen in einem Ort hat
Woldegk aufzuweisen. Hier stehen insgesamt fünf Bauwerke aus vergangener
Zeit.
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09.02.2000
Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe
Parchim
Grebbiner
Erdholländermühle hat nun ihre vier Flügel zurück
Restaurierung
des Wahrzeichens geht gut voran / Für Besitzer geht Traum in
Erfüllung
Grebbin. Die neuen Besitzer der Holländermühle haben das markante
Bauwerk aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Die Zukunft der 1878 erbauten Mühle
scheint wieder sicher. Neue Flügel und tausende Eichenschindeln sind das äußere
Zeichen für eine gelungene Restaurierung.
Ende vergangenen Jahres wurde eine weitere wichtige Etappe bei der
Restaurierung der Grebbiner Erdholländermühle abgeschlossen. Die vier Flügel
verleihen dem 122-jährigen Bauwerk wieder sein charakteristisches Aussehen.
Die Mühle in Grebbin stammt aus dem Jahre 1878 und wurde einst von Johann
Levin Bollbuck, dem Urgroßvater des jetzigen Dabeler Müllermeisters Fritz
Döscher, erbaut.
Wie Ortschronist Jürgen Mellenthin zu berichten weis, wurde hier noch bis
1963 mit Hilfe der Windkraft und eines Gasmotors Korn zu Mehl und Schrot
gemahlen. Nach dem Tod des letzten Müllers, Franz Bollbuck, verfiel die Mühle
und der Zahn der Zeit nagte an allen Ecken und Enden. Auch die Flügel
fielen nach und nach ab. 1990 erwarb Hans-Eike Müller dieses Bauwerk. Der
Lehrer für Kunst, Geschichte und Sport stammt aus Kleinmachnow. Mühlen
waren schon immer sein Hobby und er erfüllte sich zusammen mit seiner
Lebensgefährtin Hannelore Schmidt mit dem Kauf der Grebbiner Mühle einen
Traum.
Von nun an verbrachten sie jede freie Minute in Grebbin. Mit Unterstützung
der Denkmalpflege des Landkreises und des Landes wurde Stück für Stück
die Mühle restauriert. Sohn Yves ist von Beruf Dachdecker und war eine große
Stütze für den neuen "Müllermeister". 30.000 Schindeln aus
Eiche sind mit je vier Nägeln per Hand auf den Mühlenkopf aufgenagelt
worden. Auch eine Heizung wurde eingebaut. Der Sockel wurde restauriert und
die Flügel aus Lärchenholz geben dem weithin sichtbarem Wahrzeichen der
Gemeinde Grebbin ihren Glanz. Allerdings fehlen die Windbretter und die
Jalousien. "Der Mühlenkopf müsste stets in den Wind gestellt werden,
und das geht aus verschiedensten Gründen nicht", so Hans-Eike Müller
zu diesem Umstand.
Die Mühle beherbergt eine Privatwohnung und bietet ein Ambiente der
besonderen Art. Trotz moderner Technik, so in der Küche, wurde darauf
geachtet, dass der Mühlencharakter erhalten bleibt. So kündet nicht nur
die Königswelle, die einstige Hauptantriebswelle, von dem Fleiß
vergangener Jahrzehnte.
Den gesamten Innenausbau haben Hans-Eike und seine Lebensgefährtin mit
Hilfe von Freunden und Familienangehörigen soweit vorangetrieben, dass es
eine behagliche Wohnung entstand. Bald schon soll aus der jetzigen
Nebenwohnung auch der Hauptwohnsitz der neuen Mühlenbesitzer werden.
Michael-Günther Bölsche
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03.09.1998
Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe
Parchim
Mühlentour
mit dem Bus macht Lust auf neue Ziele
Parchimer Busunternehmer bietet Erlebnisfahrten in der
Region an
Parchim. Eine Mühlenrallye ganz anderer Art startete
Reiseunternehmer Norbert Goldenbohm Anfang dieser Woche. Seine Erlebnistour
per Bus soll seinen Fahrgästen die Region näher bringen und die heimische
Wirtschaft stärken.
Eigentlich fahren nur Lastwagen auf den Hof der Mecklenburger-Elde-Mühlen
GmbH am Fischerdamm. Anfang dieser Woche bog dort jedoch ein Reisebus mit
fünfzig Gästen ein, die sich auf einer Mühlenrallye-Jungfernfahrt
befanden.
Die Idee zu dieser Mühlenrallye stammt von Busfahrer und Reisebürochef
Norbert Goldenbohm aus Parchim. Sein Vorhaben fand bei den Betreibern und Besitzern
der Mühlen ein positives Echo. Der Geschäftsführer der Elde-Mühlen GmbH
Parchim, Walter Scheurich, begrüßte die Gäste persönlich. In zwei
Gruppen wurde die 100jährige Mühle, die die meisten nur von außen
kannten, besichtigt. Sie erfuhren, dass der gesamte Produktionsablauf nachts
nur durch einen einzigen Mitarbeiter bewerkstelligt wird. Rund 45.000 Tonnen
Korn werden hier pro Jahr verarbeitet. Abnehmer finden sich in einem Umkreis
von bis zu 150 Kilometern.
Nach diesen Informationen ging es mit dem Bus weiter. Zweites Ziel war eine
Mühle ganz anderer Art: Jürgen Schulz, Inhaber der
Goldenbower Mühle,
empfing die Reisegäste zünftig mit einer Tasse Kaffee am Mühlstein. Hier
ließ er up platt die Geschichte der höchsten Holländer-Galerie-Mühle
Mecklenburgs Revue passieren.
Nächste Station war Banzkow am Rande
der Lewitz. Vorbei an Friedrichsruhe-Dorf, Raduhn und Tramm ging es abseits
der eigentlichen Hauptstraße zur dortigen Mühle, zu der auch ein modernes
Hotel gehört.
Nach einigen Erinnerungsfotos ging es zum Mittagessen nach Jamel, von dort
weiter über Sukow, Crivitz, Demen und Wamckow nach Dabel. Fritz Döscher,
nicht nur Müllermeister sondern ein Alleinunterhalter ersten Ranges,
präsentierte seine über 100jährige Mühle mal up hochdütsch, mal up
platt.
Diese Mühle bot einen Einblick in die schwere Arbeit eines Müllers. Dank
der Kurzweil, die Fritz Döscher verbreitete, war die Zeit viel zu schnell
vergangen und nach einer Kaffeepause ging es zurück in das heimatliche
Parchim. Christine Suhr aus Woeten war von dieser Tour begeistert.
"Einiges kannte ich, aber es gab auch viele Neuigkeiten zu sehen".
Gisela Hoffmann aus Grebbin ging es ebenso. Horst Dieckmann war besonders
davon angetan, "mal abseits der Hauptstraßen zu fahren".
"Die Gegend ist einmalig und dazu das schöne Wetter...", meinte
er. das diese Reise nicht nur der Erholung dient, sondern auch eine
lehrreiche fahrt ist, das freute Marta und Alfred Siewert aus Stralendorf.
"Wir sind schon oft mit der Firma Goldenbohm gefahren, doch dieser
Ausflug war super." Alfred Siewert hat früher selbst Getreide in die
Parchimer Mühle gefahren und war wie alle Teilnehmer sichtlich zufrieden.
Nach dieser Jungfernfahrt
plant Norbert Goldenbohm weitere Touren durch die Region. "Auch die
Schlösser und Gutshäuser sind beispielsweise sehenswert." Mit diesem
Angebot will der Parchimer Busunternehmer auch einen Beitrag leisten, um die
Wirtschaft in der Region zu unterstützen und Arbeitsplätze zu sichern. So
will Norbert Goldenbohm auch mit den Hotels
stärker zusammenarbeiten. Sein Motto: "Mehr Geld im eigenen Land lassen, die
Wirtschaft damit
stärken und die Kaufkraft vor Ort erhöhen".
Michael-Günther Bölsche
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Abschrift eines Artikels aus der
"Ostsee-Zeitung"
vom 20.04.1991
Die
Thurowsche Mühle
Früher stand auf
dem Grund und Boden der Familie Ohlert (Tannenkamp) eine herrliche
Holländerwindmühle. Ihr Platz war im jetzigen Garten der Familien Klein und
Mähl.
1929 wurde das Mühlengrundstück von Thurow durch Hans Witt, dem Schwiegervater
von Herrn Ohlert erworben.
Der Stall wurde 1865, das Wohnhaus, in dem sich ein Kornboden befand, sei 1872
erbaut, erklärte Herr Ohlert.
Die Holländerwindmühlen traten erst im letzten Teil des 18. Jahrhunderts bei
uns in Erscheinung. Es drehte sich nicht mehr das ganze Haus um den Bock,
sondern nur noch die Haube oder Kappe mit Flügeln. Somit stand der gesamte
untere Teil des Mühlenhauses bei der Holländermühle fest. Mittels einer
Windrose wurde die Haube der Holländermühle in den Wind gedreht.
Die Holländerwindmühlen verdrängten überall im Norden Europas die alten
Bockwindmühlen, denn sie haben mehrere Vorteile. Sie geben mehr Energie,
stehen sicherer auf dem Boden, verfügen über mehrere Mahlgänge. Außerdem war
in der Mühle mehr Platz und sie konnte so den erhöhten Bedarf an gemahlenem
Getreide besser decken.
Meistens benötigte diese Art von Mühlen zwei Eingänge, da man nicht hinein und
hinaus konnte, wenn die Flügel an der Tür vorbeisausten.
P. Wussow, Bodendenkmalpfleger
Bildtext:
Die Thurowsche Mühle, eine eckige Holländermühle. Den Abschluß der Haube
bildete eine Kugel. In ihr befanden sich - wie allgemein üblich - Münzen
und persönliche Daten des Mühlenbesitzers. Das rechte Foto zeigt das
Wohnhaus der Müllerfamilie Thurow, das heute noch steht. Repro: P. Machule
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