Mühlen in
Mecklenburg-Vorpommern
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09.08.2010 Schweriner Volkszeitung

Wahrzeichen zeigt sich flügellos

Auch die Haube der historischen Erdholländer-Windmühle wurde demontiert und gelagert / Sanierungsbeginn für das Jahr 2011 fest im Blick

Großeinsatz am Sonnabend für die Mitglieder des Förderkreises Mühlenfreunde Wittenburg: Mit schwerer Technik und Muskelkraft gingen sie auf dem Areal nahe der Autobahn ans Werk, um die Mühlenflügel und den Mühlenkopf abzunehmen und eine Ersatzhaube aufzusetzen. Dieses Notdach soll als Schutz dienen, bis es dann endlich losgeht mit der dringend notwendigen Sanierung.

„Dieses Ersatzdach haben die Mitglieder des Förderkreises selbst hergestellt“, sagte Karl Luchs, der seit dem Frühjahr der Vorsitzende des Vereins ist. Während dessen verfolgt er, wie einer seiner Mitstreiter mit einer Arbeitsbühne in luftige Höhe gehoben wird, um die Windmühlenflügel zu lösen, damit der Mann im Fahrerhaus des 80-Tonnen-Autodrehkrans der Firma Thomas Baeck aus Wittenburg dann die tonnenschweren Lasten in Filigranarbeit am Steuerknüppel aufnehmen und sicher am Boden absetzen kann. Für Rainer Soltow, der den Kran bedient, kein Problem. Seit 8 Uhr morgens war er an diesem Sonnabend mit den anderen Helfern vom Förderkreis im Einsatz, um die erste Etappe als wichtige Vorarbeit für die anstehende Sanierung dieses technischen Denkmals und Wahrzeichens von Wittenburg in Angriff zu nehmen.

„Der Ausleger des Krans befindet sich in einer Höhe von 31 Metern, maximal kann er 50 Meter schaffen“, so Rainer Soltow. Am Boden macht sich Mühlenbaumeister Zecher unterdessen ans Werk, um Scharniere abzubauen, so dass die wichtigen Bestandteile der alten Mühle dann sicher gelagert werden können.

Nach gut vier Stunden ist auch der rund 12,5 Tonnen schwere Mühlenkopf demontiert und auf Holzklötzen abgesetzt. Letzte große Aktion an diesem Tag ist dann die Montage der Ersatzhaube, die etwa 1,2 Tonnen wiegt. Als Rainer Soltow die Last in die Höhe hebt, haben sich einige Mitglieder mit Karl Luchs schon in das Innere des technischen Denkmals begeben, um das schwebende Notdach in die richtige Position zu bringen. „Mit der Demontage, der Einlagerung und Sicherung haben wir vom Mühlenverein, dem gegenwärtig 18 Mitglieder angehören, schon eine wichtige Voraussetzung für die anstehende Sanierung geschaffen. Die Zusage über die Fördermittel ist gegeben, nun muss über die Stadt das weitere Vorgehen angestimmt werden. So ist ein Architekturbüro zu beauftragen, das die Ausschreibungen vorbereitet und es ist festzulegen, was an Maßnahmen notwendig ist, um den alten Zustand wieder herzustellen“, ergänzte Karl Luchs, der sich über den Einsatz seiner Vereinskollegen freut und auch den Firmen Baeck, Menne aus Lehsen, die die Arbeitsbühne kostenlos zur Verfügung stellte, und Mühlenbaumeister Zecher für die Unterstützung danken möchte.

„Im Jahre 2011 soll mit der Sanierung begonnen werden, eine Förderung von 90 Prozent der Nettosumme gilt als sicher. Das ganze Projekt wird rund 260 000 Euro kosten“, erklärte Karl Luchs.
Michael Seifert

23.12.2009 Schweriner Volkszeitung

Mit Fingerspitzengefühl durch die Krise

Michael Knull ist einer der beiden letzten Müller im Land / In Rostock kämpft er in seinem kleinen Familienbetrieb gegen die Konkurrenz der Großbetriebe

Griffig muss es sein und nicht zu fein. Immer wieder öffnet Michael Knull die Klappe über den Stahlzylindern seiner Walzenstühle und greift hinein. In seine Hand rieselt Weizenschrot. Nach mehr als 20 Jahren in seinem Beruf fühlt der Müller an dem gebrochenen Korn, ob alle Walzen in seiner Mühle richtig eingestellt sind. „Das Fingerspitzengefühl ist wohl das Wichtigste“, sagt er über sein Handwerk. Und es ist auch sein wichtigstes Kapital. Gerade jetzt, gerade in Krisenzeiten.
Von seinem Vater hat Michael Knull einst die Mühle am Rostocker Petridamm übernommen, der wiederum von seinem Vater. Seit 1924 ist die letzte funktionstüchtige Mühle Rostocks nun im Besitz der Familie. Ihr heutiger Chef, Michael Knull, ist ein stiller Mann. Dass er stolz darauf ist, dass die Mühle an ihrem historischen Standort immer noch arbeitet, verrät nur sein vorsichtiges Lächeln, wenn er von der langen Geschichte des Betriebes erzählt. Und davon, wie seine Mühle läuft. Und sie läuft beständig.

Bis zu zwölfmal durch die Walzenstühle

Von halb sechs am Morgen bis in die Abendstunden prasselt das Korn auf die Stahlwalzen, wird gebrochen, gesiebt, wieder und wieder durch die Walzen geschickt. Zehn- bis zwölfmal passiert ein einziges Getreidekorn die Walzenstühle, bis es fein genug gemahlen ist, um als Mehl verkauft zu werden. Die Kunden sind heute kritisch, das weiß Michael Knull. Nur mit Qualität kann er sie halten.

Deshalb kontrolliert er immer wieder das gebrochene, gequetschte, gemahlene Korn, bevor es durch die Plastikrohre in die nächste Maschine geschickt wird. Mit seiner trockenen rechten Hand greift er unter die Klappe in den Getreidestrahl, der aus der Reinigungsmaschine rinnt, fühlt, riecht, prüft, ob noch schwarze Körner zu sehen sind. Michael Knulls Weg über die verschrammten Dielen ist immer derselbe. Von Maschine zu Maschine, von Klappe zu Klappe.
Durch den hölzernen Boden dringt das grelle eintönige Motorengeräusch. Im Keller laufen die Elektromotoren, die alle Geräte auf den drei Etagen des Backsteingebäudes antreiben. Mit Windkraft wird längst nicht mehr gearbeitet, jedenfalls hier nicht. „Weil es wirtschaftlicher ist“, sagt Michael Knull. Und mit der Windkraft, da verdienen heute in Rostock andere ihr Geld. Die großen Hersteller von Windrädern zum Beispiel. Die haben ihren Sitz im Industriegebiet. Und ihre Produkte stehen in den großen Offshore-Windparks, draußen, in der Ostsee.

Von 3000 Standorten sind nur zwei geblieben

Von insgesamt 3000 Mühlenstandorten in Mecklenburg-Vorpommern sind die Knullsche Mühle in Rostock und die Nordland Mühle in Jarmen (Kreis Demmin) die einzigen, die übrig gebleiben sind. Die einzigen, die trotz des Mühlensterbens Anfang des 20. Jahrhunderts, trotz der Zusammenschlüsse vieler Mühlen zu Produktionsgenossenschaften zu DDR-Zeiten und trotz der Konkurrenz durch Großbetriebe in anderen Bundesländern zu Nachwendezeiten noch produzieren.
Warum die Mühle am Rostocker Petridamm als einzige von ehemals etwa 20 Wind- und Wassermühlen in der Hansestadt überlebt hat, kann Michael Knull nicht erklären. Es müssen eben immer die richtigen Entscheidungen in der Familie gewesen sein. Wie damals, als sein Großvater nach dem Brand in der alten Windmühle auf der Anhöhe mit dem gesamten Betrieb in das Wirtschaftsgebäude an der Warnow umzog und den Antrieb vollständig auf Gasgeneratoren und Elektromotoren umstellte.
Oder Jahrzehnte später, als sein Vater zu DDR-Zeiten die Mühle bewirtschaftete und niemals mehr als zehn Angestellte beschäftigte - den Privatbetrieb deshalb nicht als Produktionsgenossenschaft führen musste und auch nicht dabei zusehen, wie er verstaatlicht wurde. „Das war später ein guter Start in die Marktwirtschaft“, sagt Michael Knull heute. Er selbst stieg 1985 ein, kennt noch die LKW der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Bäcker- und Konditorenhandwerks, die täglich kamen und die Mehlsäcke an der Mühle abholten, um sie zu den Bäckern im Bezirk Rostock zu bringen.

Wenige Kunden suchen regionale Produkte

Heute liefern Michael Knull und seine beiden Angestellten selbst aus. Auch das ist ein Mittel gegen die Krise: Besserer Service für die Kunden. Die meisten von ihnen sind immer noch die Bäcker aus der Region. Manche legen besonderen Wert darauf, dass sie regionale Produkte erhalten. Davon profitiert Michael Knull.
Sich auf die Wünsche seiner Kunden einzustellen, hat er seit der Wende gelernt. Einmal in der Woche wirft er nun die alte Schrotmühle an. Auf traditionelle Weise zermalmen zwei Mahlsteine das Getreide, dass durch ein Loch im oberen Stein auf die feste Platte darunter rinnt. Das Ergebnis: Backschrot. 30 Säcke à 50 Kilo pro Stunde. „Wird nur von wenigen verlangt, aber wir sind die einzigen, die das noch machen“ erklärt Michael Knull. Das ist wieder so ein Trick.
Der Müller zuckt mit den Schultern, dreht sich zur Mehlmischmaschine gegenüber des alten Steins und öffnet wieder die Klappe. Mit zwei Griffen in die zerkleinerten Weizenkörner fühlt er, dass eine der Walzen nachjustiert werden muss. „Passiert immer, wenn die warm werden“, sagt er.
Das Weizenmehl, das in Pfundpackungen im Supermarkt steht, produzieren große Industriemühlen. Die Konkurrenzbetriebe in Norddeutschland haben 50 bis 100 Mitarbeiter und sind effizienter bei der Verarbeitung. Um neben ihnen auf dem Markt zu bestehen, musste sich der Müller vom Petridamm Nischen suchen. Das Backschrot zum Beispiel. Oder Roggenmehl, das es früher hier nicht gab. Und das Futtermittel. Michael Knull mischt und verkauft nun Mais und Weizen als Tiernahrung. Auch Spezialfutter hat er mittlerweile im Angebot. Das kommt dann allerdings von weiter her, aus Niedersachsen zum Beispiel. „Manchmal haben wir hier sogar Hirse aus China“, sagt er und schaut aus dem Fenster nach draußen. Das Licht, das durch die Scheibe fällt, lässt seine hellen Augen hinter den staubigen Brillengläsern noch heller wirken. Michael Knull kratzt sich am Hals. „Nur der Hafer läuft nicht mehr so gut“. Früher hätten viele Pferdebesitzer bei ihm eingekauft. „Es sind weniger geworden, die sich Pferde leisten“, sagt er.
Michael Knull macht weiter, trotz der Absatzschwierigkeiten beim Hafer, trotz der Krise, von der die Leute sprechen. Wichtig sei eben, dass er weiter auf vernünftige Qualität achtet - vom Einkaufen des Getreides bis zum Einsacken des Mehls. „Und dann muss man eben gucken, was die Kunden sonst kaufen wollen“, sagt er. Vielleicht kaufen sie ja doch mehr Futter für kleinere Tiere. Oder fragen nach solchem für speziellere Arten. Michael Knull ist zuversichtlich. Er wird es herausfinden. Und auch dabei ist sein Fingerspitzengefühl sein wichtigstes Kapital.
Christine Weber

29.05.2009 Schweriner Volkszeitung

Der Taum von zwei Mühlen

Tischler Ingo Arlt saniert die Zwillingswindmühlen Neu Vorwerk

Vor 150 Jahren hatte fast jedes Dorf seine Mühle. Die Müller mahlten das Korn zu Mehl und Schrot für die umliegenden Bauern und Bäcker. Windmühlen prägten das Landschaftsbild in Mecklenburg und das Alltagsleben. Ihre Blütezeit ist längst vorbei, doch bis heute haben sie nichts von ihrer Faszination verloren. Viele Mühlenfreunde kümmern sich um den Erhalt der letzten Wind- und Wassermühlen, um diese Zeugen der Vergangenheit
erlebbar zu machen. Einer von ihnen ist Ingo Arlt.

„Wäre ich 150 Jahre früher geboren, dann wäre ich ganz bestimmt Windmühlenbauer geworden“, versichert der 39-jährige Goldberger. Historische Windmühlen sind seine große Leidenschaft. Da er für den Beruf eines Windmühlenbauers zu spät kam, ist er Tischler geworden. „Die vielseitige Ausbildung kommt mir jetzt zugute“, sagt der Handwerker, der in der Parchimer Tischlerei Zierke lernte, noch heute dort arbeitet und in seiner Freizeit gleich zwei Mühlen saniert.
Etwa 119 Windmühlen und 300 Wassermühlen gibt es heute noch in Mecklenburg-Vorpommern, so der Mühlenverein MV. Viele sind liebevoll und aufwendig restauriert worden und dienen heute als Restaurants, Hotels oder Museen.
So mancher Mühle im Land droht aber noch der Verfall. Ein Schicksal, das auch den „Zwillingswindmühlen“ Neu Vorwerk nördlich von Teterow bevorstand, wäre da nicht 1991 Ingo Arlt auf seinem Moped zufällig vorbeigekommen – es war Liebe auf den ersten Blick.
Obwohl die Mühlen längst nicht mehr ansehnlich waren, das Grundstück mit Schuppen zugebaut, begann Ingo Arlt sich für die beiden Holländerwindmühlen zu interessieren. Er beschäftigte sich zunächst mit ihrer Geschichte: „Die kleinere Erdholländer-Mühle war 1847 durch die Familie von Oertzen auf dem Gut Alt-Vorwerk errichtet worden. Von 1859 bis 1861 wurde das Gutshaus neugebaut und die Mühle vom alten Mühlberg an der Straße nach Poggelow abgebaut und an den jetzigen Standort nach Neu Vorwerk umgesetzt. Wie im preußischen Sanssouci wollte man nämlich vom Schlossfenster aus eine Windmühle sehen“, erzählt Ingo Arlt. Später ist die Gutswindmühle verpachtet worden.

Wechselvolle Geschichte

Mit der Bodenreform 1946 wurde das Gut Alt Vorwerk enteignet. Eigentümer der Mühle wird danach Müllermeister Bünger. Die Mühle erhält Stromanschluss – wahrscheinlich als eine der letzten in Deutschland. Weil Strom aber 1946 nur zeitweise vorhanden ist, arbeitet der Müller weiterhin mit Wind. 1949 wird dann die größere Galerieholländer-Windmühle errichtet. Während bei einer Erdholländer-Mühle die Flügel fast bis zur Erde reichen, gehen die Fügel der Galerieholländer nicht so tief. Diese Mühlen haben einen mehrstöckigen Unterbau – die Galerie. Holländermühlen setzten sich im 17. Jahrhundert durch. Davor gab es die Bockwindmühlen. Bei ihnen musste das gesamte Mühlengehäuse mit dem Mahlwerk in den Wind gedreht werden. Bei den Holländermühlen dagegen wurde nur noch der obere Teil mit den Flügeln in den Wind gedreht.
Die Galerieholländer-Mühle in Neu Vorwerk gehört zu den letzten Windmühlen-Neubauten für gewerbliche Müllerei in Mecklenburg. 1961 erfolgte die Verstaatlichung. 1967 wurde die große Mühle als Mischfuttermühle für die LPG umgerüstet, die Flügelanlage zerstört. Nach der „politischen Wende“ gingen 1991 in Neu Vorwerk „die Lichter aus“, wie Ingo Arlt sagt. Aus dem Mühlenstandort wurde schnell eine Müllkippe für alte Kühlschränke und Autos. Er musste zuerst tonnenweise Schutt wegräumen, als er 1995 begann, das Mühlenensemble zu sanieren.
Mühlen und Grundstück hatte er zuvor erworben. Seither verbringt Ingo Arlt jede freie Minute in Neu Vorwerk. Von seiner Freundin verlangt das viel Verständnis, gesteht er. Inzwischen hat die große Galerieholländer-Mühle wieder handgefertigte Holzschindeln. Und eines Tages werden sich wieder Flügel drehen. Ein funktionstüchtiges technisches Denkmal sollen die Zwillingswindmühlen werden – das ist der Traum von Ingo Arlt. Wenn es soweit ist, wird er die Mühlenflügel sicher als Freudenschere in Position bringen.

Tipp: Am Pfingstmontag, dem alljährlichen Mühlentag, hat Ingo Arlt seine Zwillingswindmühlen für Besucher geöffnet.

Informationen gibt er auch unter www.zwillingswindmuehlen.de

Von Ute Pilz

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23.05.2009 Schweriner Volkszeitung, Regionalausgabe Lübz

Schlafen unterm Mehlsack

Ronny Grubitz baut Goldberger Mühle zum Feriendomizil um

Als Kind hat Ronny Grubitz auf dem Feld hinter der Goldberger Mühle am See Schilf geschnitten, nun gehört die Mühle ihm. Nach und nach baut der selbstständige Maschinenbauer das rund 150 Jahre alte Gebäude zu Ferienwohnungen um. Ob die Mühle eines Tages wieder Flügel haben wird, steht allerdings noch nicht fest.

Dass Ronny Grubitz eines Tages Besitzer einer Mühle sein wird, das hätte der gebürtige Goldberger nicht gedacht. Vor vier Jahren ersteigerte er das seit Jahren an der B 192 bei Goldberg leer stehende und ungenutzte Gebäude. „Oft sind meine Frau und ich daran vorbeigefahren“, erzählt der 39-Jährige „und haben gedacht, dass es schade um die Mühle ist.“ Als sie dann von ihrem Hamburger Vorbesitzer zur Versteigerung frei gegeben wurde, hat Ronny Grubitz zugeschlagen, um etwas zu tun für seine Heimatstadt, die er kurz nach der Wende in Richtung Ruhrgebiet verlassen hat und in die er regelmäßig am Wochenende zurückkehrt. Seitdem ist der Besitzer der rund 23 Meter hohen Mühle mit Unterstützung seiner Familie dabei, sie auszubauen. Zwei exklusive Ferienwohnungen – eine über zwei Etagen im Bauch der Mühle, die andere im achteckigen Turm – sollen darin entstehen, im neuen Seitenanbau wird es auch einen Whirlpool geben.
Bis auf die Außenmauern muss der selbständige Maschinenbauer in dem rund Gebäude so ziemlich alles erneuern – von den alten Fenstern sind nur die Gitter über, neue Fenster wurden dahinter gesetzt und halten Wind und Regen ab, der Boden wurde einen Meter angehoben, die riesigen Stützbalken waren von innen verfault und mussten ausgewechselt werden. Dafür wurde sogar das Dach angekippt, die Schindeln darauf aus Eichenholz sollen demnächst durch neue aus kanadischem Zedernholz ersetzt werden. Auch eine Galerie, die einst dem Müller diente, um die Flügel anzuhalten, wird wieder um die gesamte Mühle angebracht. Die Kappe der Mühle ist bereits abgenommen und wurde von einem Mühlensachverständigen begutachtet. „Flügel können an dieser Kappe nicht befestigt werden“, sagt Ronny Grubitz. Da muss schon eine neue her. Wenn sich dann noch die Flügel drehen sollen, wie es sich für eine richtige Mühle gehört, ist das gleich 26 Mal so teuer, als wenn er die vorhandene Kappe einfach wieder drauf setzen würde. Mühle mit oder ohne Flügel – noch hat sich Ronny Grubitz nicht entschieden. Eines aber ist sicher: Schon zu DDR-Zeiten wurde hier das Korn mit einem Motor gemahlen, Flügel waren nicht mehr notwendig. Anfang der 1980-er Jahre wurde hier der letzte Mehlsack herausgefahren. An diese Zeit erinnert heute eigentlich nur noch die Hängevorrichtung für die Absackung an der Decke. Mit einem Fahrstuhl, erinnert sich Winfried Svenson, Schwiegervater von Ronny Grubitz, sei die Müllerin zu der Zeit mit den leeren Säcken hoch und mit den vollen wieder herunter gefahren.
Lieber Schrauben und Metall als Mehl und Körner 25 Kilo- oder ein Zentnersäcke waren früher üblich, ergänzt sein Schwiegersohn Ronny Grubitz. Das weiß er, weil er früher öfter seinen Onkel in die andere Mühle, die es mal in der Langen Straße in Goldberg gab, begleitet hat.
Auch wenn er jetzt Besitzer einer Mühle ist, Müllermeister wäre Ronny Grubitz nicht gern geworden. „Ich habe es mehr mit Schrauben und Metall, statt mit Körnern und Mehl.“
Wann die Mühle fertig umgebaut ist, kann er nicht sagen, drängen will er sich nicht lassen. Bis zu seiner Rente zumindest sollen die ersten Gäste schon hier Urlaub gemacht und den traumhaften Blick aus den kleinen Dachfenstern auf den Goldberger See genossen haben.

Undine Brandt

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25.03.2009 Schweriner Volkszeitung, Regionalausgabe Ludwigslust

Historische Mühle schrotet wieder

Grabow (thme) • „Wir verarbeiten ausschließlich Getreide aus kontrolliertemAnbau“, berichtet Erik Herrmann, während er mit einer Schütte Roggenkörner in die historische Schrotmühle in seiner Backstube gibt. Das Wunderwerk der Technik, das mit einem Riemen angetrieben wird, ist etwa 100 Jahre alt und wurde ursprünglich von der Firma Soyk aus Grabow gebaut.
„Ich habe sie bei Dömitz auf einem Dorf in einer Scheune gefunden“, erinnert sich der 41-Jährige Bäckermeister, der zusammen mit seinem Berufskollegen Mario Sohst auf die Idee kam, das traditionelle Mahlwerk, das seit mindestens drei Jahrzehnten still stand, nun wieder gangbar zu machen. „Also haben wir die Mühle völlig zerlegt, gesäubert und wieder zusammengesetzt.“ Hintergrund der Aktion ist die Tatsache, dass es in der Bunten Stadt an der Elde bereits seit 15 Jahren keine Mühle mehr gibt, die Schrot zubereiten könnte. Selbst in Parchim, wo die beiden Bäckersleut bisher ihr Schrot herbekamen, stehen die Walzen seit fünf Jahren still. „Die haben für uns sonst immer ein speziellesSchrot hergestellt“, erklärt Mario Sohst, den schon länger stört, dass Großmühlen immer das Mehl aus dem Schrot sieben. „Das fehlt uns dann beim Klebeeffekt des Teiges und muss eigens zugesetzt werden“, berichtet der 43-Jährige weiter. Die Probeläufe mit der restaurierten Schrotmühle seien zufrieden stellend verlaufen, so, dass es ab heute wieder echtes Grabower Schrot als Roggen- oder Weizenbrot bei ihm und Erik Herrmann gäbe.

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01.02.2008 Schweriner Volkszeitung, Regionalausgabe Parchim

Nie wieder „Elde-Mehl“
Mühlenstadt Parchim verliert Wahrzeichen / Das Aus am Fischerdamm

Heute um 12 Uhr werden die Mühlen am Fischerdamm abgeschaltet. Die VK Mühlen AG lagert die Produktion zum 31. März endgültig aus. Die letzten vier Mitarbeiter beginnen in diesen Tagen mit dem Ausräumen.

Parchim. von Nicole Buchmann Das Wandern ist des Müllers Lust, heißt es in einem Volkslied. Die Mitarbeiter der Elde-Mühlen GmbH sind eigentlich ganz sesshaft und zum Teil 40 Jahre in dem fast 200 Jahre alten Mahlbetrieb.
Fast. Was Walter Scheurich vor zwei Jahren schon geahnt hat, ist nun Wirklichkeit. Der langjährige Geschäftsführer steht schweigend vor einem 40-Tonner aus Berlin, der seinen Tank mit Mehl auffüllt. Es ist einer der letzten von etwa zwanzig, die in den kommenden zwei Wochen die restlichen 500 Tonnen abholen. Denn ab heute Mittag stehen die Mühlen still.
Seit Dezember wird schon kein Roggenmehl mehr produziert, von der zum Januar auf acht Leute reduzierten Belegschaft sind nur noch vier geblieben. Einer von ihnen ist Maik Logall – der Betriebsleiter. Walter Scheurich hat den jungen Mann auf die Nachfolge vorbereitet, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedete.
Ein Stück Eldestadt wird Geschichte
Darauf, dass die Mühle zum 31. März endgültig geschlossen werden soll, konnte er den 27-Jährigen nicht wirklich vorbereiten. Die Flure im Verwaltungstrakt sind verwaist, die Stühle um den langen Tisch im Frühstücksraum leer. „Jetzt, wo ich mit meinem Schichtmeister hier alleine sitze, merkt man erst, was hier wirklich passiert“, sagt Maik Logall. Ein wenig stiefmütterlich behandelt fühlen sich die Kollegen, auch wenn ihnen die VK Mühlen AG neue Jobs im Konzern beziehungsweise in der Branche vermitteln will. „Die Hamburger denken in anderen Dimensionen“, meint der junge Müllermeister.
Walter Scheurich vermutet, dass freie Kapazitäten an anderen Konzernstandorten wie etwa in Berlin Grund für die Schließung sind. „Wir waren gut ausgelastet, haben 160 Tonnen Getreide pro Tag vermahlen, 41000 waren es im Jahr.“ Doch längst sind auch der hauseigene Fuhrpark, die Buchhaltung und das Controlling ausgelagert. Im Labor herrscht gähnende Leere.
Vergangene Woche kam letztmals Getreide. Ein letztes Mal durchläuft es bis heute Mittag die insgesamt zwanzig Stationen, werden die Mühlenwalzen aus dem VEB-Kombinat in Wittenberg das Korn zu feinem Mehl zermalmen. Dann schalten Maik Logall und sein Schichtmeister die Maschinen ab. „Dass hier nie wieder produziert wird –.“ Dem Betriebsleiter fehlen die Worte. Blass sind seine Wangen, seine Worte wählt er mit Bedacht. „Die Entscheidung des Konzerns kam schon ziemlich überraschend“, sagt er. Schließlich habe man 2007 die Mühle nach internationalen Standards zertifzieren lassen – nur für die Großbäckerei Kamps am Standort Lüdersdorf, den zuletzt einzigen Kunden.
Arbeitsplätze weg – Immobilie leer
„Schlimm, dass produktive Arbeitsplätze wegfallen“, sagt Holger Geick, Wirtschaftsamtsleiter im Parchimer Rathaus. Aber es habe sich angebahnt, erinnert er an die Gespräche von vor zwei Jahren.
Damals, sagt Rolf Brack, sei die Entscheidung, die Mühle zu schließen, schon gefallen. Nur im Hinblick auf Kamps habe man den Betrieb noch aufrecht erhalten, so der Vorstandsvorsitzende der VK Mühlen AG gegenüber SVZ. Zudem habe man seinerzeit deutlich gemacht, dass die Elde-Mühlen kein Zukunftsstandort seien. Die hohen hygenischen Standards in der alten Mühle könnten auf Dauer ohne horrende Investitionen schlichtweg nicht eingehalten werden.
Was aus der dann ungenutzten Immobilie wird, wisse man noch nicht, sagte Rolf Brack. „Dazu wird es ein Gespräch mit dem Bürgermeister geben.“
„Die Mühle wird wohl im Ganzen verkauft“, glaubt Walter Scheurich. Aber ihn beschleiche ein ungutes Gefühl bei der Vorstellung, wenn das dann nicht mehr genutzte Gebäude mit Brettern vor den Fenstern gesichert werden muss.
Maik Logall hat von der VK Mühlen AG ein Angebot in Köln bekommen – als Assistent in der Produktionsleitung. „Das wird schon eine Umstellung – hier Haus und Hof und dort arbeiten. Ich weiß noch nicht, wie ich das alles unter einen Hut kriege – per Funksteuerung vielleicht“, sagt er und lächelt müde. Sein Schichtmüller weiß noch nicht, wie es für ihn weiter geht. „Die hätten die Mühle laufen lassen sollen“, meint Frank Bünger, der in Hamburg und Lübeck nach einem neuen Job sucht.

Umfrage:

Wolfgang Waldmüller, Parchim
Dieser Standort hat Tradition und wäre allein überlebensfähig und der Standort hätte erhalten werden müssen. Das Konzerndenken ist kaum nachvollziehbar.
Karl Frank, Spornitz
Ich bin sehr traurig. Damit geht ein Wirtschaftsstandort für Parchim und die Umgebung verloren. Das Areal könnte zum Schandfleck werden wie einst die Tuchfabrik in der gleichen Straße.
Elke Skiba, Parchim
Das ist die Fortsetzung von Dassow und der Zuckerfabrik in Güstrow. Warum weite Transportwege bei den Spritkosten künftig sein müssen, ist nicht verständlich.
Umfrage: M.-G. Bölsche

08.09.2007 Schweriner Volkszeitung, Regionalausgabe Parchim

Mühle ist unter der "Haube"
Goldenbower Bauwerk hat seinen sanierten Kopf wieder


 

Jetzt sieht die Goldenbower Mühle wieder wie eine richtige Mühle aus. In dieser Woche erhielt sie ihren Mühlenkopf, der nach umfangreicher Sanierung künftig all seinen Funktionen gerecht wird. Zwei Kräne hoben den rund 16 Tonnen schweren Mühlenkopf sicher in die Höhe und setzten ihn millimetergenau an seinen angestammten Platz. In den vergangenen drei Monaten wurden in Handarbeit unter anderem Haupttragebalken erneuert und das Dach regendicht gemacht. Außerdem ist die zuvor fehlende Flügelbremse ersetzt worden. Eine Windrose wird noch installiert. Die Stendaler Holzfirma Ulrich Blümner und die Dachfirma WEKO aus Spornitz leisteten gute Arbeit.
siehe auch: hier

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14.06.2007 Schweriner Volkszeitung, Regionalausgabe Parchim

Mühle in Goldenbow ist flügellahm

  • Goldenbow vkmg Seit gestern ist es auch nach außen sichtbar, dass wieder Leben in die Goldenbower Mühle eingekehrt ist. Die größte Hochholländer-Galeriemühle Mecklenburgs ist vorübergehend „flügellahm“.  Während ein Kran am Vormittag die Flügel abnahm, wurde am Mittag mit Hilfe eines weiteren Kranes die Kappe entfernt. In den nächsten drei Monaten folgen nun umfangreiche Werterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen. So müssen vergammelte Haupttragebalken erneuert und das Dach regendicht gemacht werden. Außerdem wird die bislang fehlende Flügelbremse ersetzt und in einem späteren Arbeitsschritt wird eine Windrose installiert. Damit wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, die Mühle in den Wind stellen zu können und die Flügel nach vielen Jahren wieder drehbar zu machen.
    Verantwortlich für dieses neue Leben der Goldenbower Mühle sind Silke Fette und Peter Märzke. Beide haben im vergangenen Dezember die Mühle erworben, die zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren ein tristes Dasein fristete und auf neue Besitzer wartete.
    Mit Eigenkapital und viel Kredit und noch viel mehr Engagement sowie Enthusiasmus bekommt diese Mühle nun eine neue Chance, zunächst als Ferienwohnung. Bereits im Inneren hat sich viel zum Positiven verändert und der Besucher staunt über die neue Größe der Räume sowie über die stilvoll gestalteten Räume. Besonders schön: Überall ist der Mühlencharakter erhalten. Ab Frühherbst sollen in der dann fertiggestellten Ferienwohnung die ersten Gäste übernachten.

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    15.03.2006 Schweriner Volkszeitung, Regionalausgabe Parchim, Sternberg, Lübz

    Mit „Glück zu“ in Wittenburgs Mühlensaison
    Förderkreis beschloss Vorhaben für 2006 / Höhepunkt wird Mühlentag im Juni

    Wittenburg • Die Mitglieder des Vorstandes des Förderkreises Mühle Wittenburg e.V. haben sich auf die Höhepunkte des laufenden Jahres verständigt. Das Mühlenensemble spielt dabei eine entscheidende Rolle.
    Anliegen der Mitglieder des Förderkreises Mühle Wittenburg e.V. ist es, Brauchtum zu pflegen und historische Bauten zu erhalten und für Interessierte zugängig zu machen. Auf dem Mühlenberg in Wittenburg, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Mühle und zum Hallenhaus, sind die Mühlenscheune und historische Landtechnik zu finden. Zudem sammelt der Förderkreis finanzielle Mittel, um die ehrenamtliche Arbeit aufrecht erhalten zu können.
    Das aktuelle Arbeitsprogramm umfasst u.a. die weitere Wartung und Pflege der Mühle und des Kräutergartens.
    „Das ist für uns eine wichtige Aufgabe, insbesondere wenn wir einen Ein-Euro-Job-Beschäftigten bekommen sollten, der sich dann um die Pflege des Kräutergartens an der Mühle kümmern wird. Nach Möglichkeit wollen wir auch weiterhin historische Landtechnik aufarbeiten“, sagte der Vorsitzende des Förderkreises unter Hinweis darauf, dass im Frühjahr die Stelle für einen Ein-Euro-Job-Beschäftigten beantragt werden soll.
    Höhepunkt der diesjährigen ehrenamtlichen Arbeit ist wiederum der Mühlentag am 5. Juni auf dem Mühlenberg. Zusammen mit der Stadt wird der Förderkreis diesen Tag gestalten. „Wir wollen das Niveau des Wittenburger Mühlentages, des mittlerweile 6., bewusst historisch gestalten. Aus unserer Sicht haben deshalb solche Ereignisse, wie die Mühle in den Wind drehen, darstellen, wie ein Hufschmied arbeitet, eine Schrotmühle in Aktion erleben oder eine Mähbinder-Ausstellung für uns eine wichtige Bedeutung. Die Besucher werden Anfang Juni wiederum einen erlebnisreichen Tag auf dem Mühlengelände erleben. Und wir würden uns freuen, wenn auch in diesem Jahr die Hundeschule Maschke aus Banzin wieder mit dabei sein würde. Die Vorführungen im vergangenen Jahr kamen bei den Besuchern sehr gut an. Die Veranstaltung basiert auf drei Säulen, den Part, den wir einbringen, kulturelle Einlagen und Angebote einschließlich verschiedener Handelsstände. Das wird von der Stadt mit vorbereitet und weiterhin die gastronomische Betreuung durch die dortigen Gaststätte.“ Rund 1300 Besucher fanden zum Mühlentag 2005 den Weg auf das Mühlengelände.
    Außerdem hat sich der Förderkreis darüber verständigt, ein „Kleines Eseltreffen“ zu unterstützen, zu dem am 2. Juli auf das Mühlengelände eingeladen wird. Norbert Fenske ist ein Esel-Fan und mit seinen Tieren oft in Wölzow und Umgebung unterwegs. Alle Interessenten sind heute schon zum Eseltreffen eingeladen, freut er sich auf die Vorhaben in der neuen Mühlensaison, die mit dem Gruß der Müller „Glück zu“ in ein neues Vereinsjahr starten.

    Dieter Hirschmann

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    15.01.2004 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim

    Windmühlen sind auch Leuchttürme für Tourismus
    Gemeinsames Projekt der Imagewerbung vorgestellt

    Parchim/Banzkow In der Lewitz-Mühle Banzkow wurde gestern das erste Projekt der "Mühlenwege in Mecklenburg-Vorpommern" offiziell vorgestellt. 12 Partner, darunter die Stadt Parchim, die Eldemühle, die Landpute sowie der Pingelhof, haben sich zusammengetan, um gemeinsam aktiv für ihr Unternehmen und für das neue gemeinsame Projekt zu werben.
    "Wir haben Firmen und ihre Angebote unter einer neuen Dachmarke zusammengefasst. Dieses gemeinsame Netzwerk gilt es nun zu vermarkten", so der Projektleiter im IHK-Bildungszentrum, Jörg Audörsch. Dieses Netzwerk soll den Tourismus in das Land ankurbeln und neugierig machen auf die Mühlen im Lande. Doch es geht nicht um das "Vorbeifahren", sondern um das "Erleben" der Mühlen als Hotel, als Kulturstätten im Zusammenhang mit weiteren Angeboten der Wirtschaft und der Gastronomie. "Es ist das erste Mal gelungen, eine ganze Region zu verbinden, dies gilt es nun, aktiv zu bewerben", lobte Holger Geick, Wirtschaftsamtsleiter der Stadt Parchim. Rolf Holst vom Pingelhof meint, "wenn die Menschen nicht kommen, dann bleibt dieses Projekt nur Stückwerk". So wird nun auf den verschiedensten Messen im Land auf die Region Westmecklenburg hingewiesen.
    Weitere Projekte von Rostock bis zur Insel Rügen sollen in den nächsten Wochen folgen.

    Michael-Günther Bölsche

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    04.11.2003 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim

    Hier treffen sich nur noch Mäuse

    Goldenbower Mühle unter Zwangsverwaltung /
    Interessenten scheiterten am Geld

    Goldenbow.
    Seit Ende Februar ist es still geworden um die Mühle in Goldenbow. Wo einst die Gäste durch eine ausgezeichnete Gastronomie mit heimischen Produkten und mit vielen kulturellen Veranstaltungen verwöhnt wurden, sind nun nur noch die Mäuse zu Hause. 1924 eröffnete in Goldenbow, wo sich zuvor bereits seit 1863 die Flügel einer Erdholländermühle drehten, Heinrich Pagenkopf die jetzige Hochholländergaleriemühle. Es ist mit 23 Metern die höchste Galeriemühle Mecklenburgs und sie hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Bis Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde noch geschrotet, doch dann begann der vorläufige Verfall. Mitte der achtziger Jahre erinnerte nur noch eine Ruine an die einst besseren Zeiten.

    Der Winteranblick der Goldenbower Mühle sollte nicht zum "Dauerwinterschlaf" ausarten.

    Arvid Kremer und die damalige LPG hatten eine Idee: Sie wollten der alten Mühle mit einer Bäckerei und einem Café zu neuem Leben erwecken. Doch die politische Wende sorgte für eine Pause der bereits begonnenen Sanierungsarbeiten. Erst 1994, als Jürgen Schulz das Gebäude erwarb, begann die Fortsetzung der umfangreichen und kostspieligen Rekonstruktion und am 1. Juni 1995 öffnete die Mühle als Gastronomie. Tausende kamen hierher, um die regionale Küche zu kosten oder eine der zahlreichen Veranstaltungen zu besuchen. Doch zum 1. Februar schlossen sich die Türen erneut auf unbestimmte Zeit. "Die wirtschaftliche Situation hat mich zur Aufgabe der Gastronomie gezwungen", erklärt Schulz. Seither ist es still geworden um die Mühle. Viele Besucher können nur noch von außen das Gebäude bestaunen ­ doch wie lange noch? Wenn sich nicht bald wieder ein neuer Betreiber findet, dann droht der Mühle ­ statt einer zünftigen 80. Geburtstagsfeier im nächsten Jahr ­ noch einmal das Schicksal des Verfalls. Die kommende Winterperiode wird sicherlich diesen beschleunigen.
    Zurzeit wird die Mühle zwangsverwaltet. Das heißt, die Verwaltung und Nutzung des Grundstückes werden durch richterliche Anordnung dem Schuldner entzogen und einem Zwangsverwalter anvertraut. Etwaige Interessenten ­ darunter auch aus unserer Region ­ scheiterten nach deren Angaben am Preis bzw. an der Bereitstellung nötiger Kredite. Nach Recherchen unserer Zeitung soll sich derzeit noch mindestens ein Käufer ernsthaft für die Mühle interessieren. Dieser möchte den unteren Bereich weiter als gastronomische Einrichtung nutzen, während in der Mitte eine Ausstellungsgalerie und oben Büroräume entstehen sollen. "Wir sind bereit und warten jetzt auf die uns angekündigte Zwangsversteigerung und hoffen dann auf den Zuschlag", so der nicht öffentlich genannt sein wollende Investor.
    Nach Angaben von Jürgen Schulz hatte es dagegen bisher nur einen Interessenten gegeben, der aus Finanzgründen absprang. "Zurzeit gibt es nach meinem Wissen keinen Käufer. Ich könnte mir durchaus auch einen Pächter vorstellen, den es aber auch meinen Kenntnissen nicht gibt", so Schulz. Per Internet wurde von Maklern die Kaufsumme für Immobilie, Grundstück und Inventar mit 470.000 Euro angegeben.
    Der einstige Mitinitiator der Sanierung der Mühle, Arvid Kremer, gegenüber SVZ: "Der Zustand der Mühle wird nicht besser, es sollte nicht gepokert werden. Alle an einen Tisch und gemeinsam an einem Strang ziehen und nach Lösungen suchen, dann hat die Mühle wieder eine Chance. Verdient hat sie es", so Kremer. Auch der Enkel des Mühlenerbauers von 1924, Christian Pagenkopf, bedauert den Stillstand. "Wir hoffen, dass sich der Zustand bald wieder ändert und die Mühle nicht einem erneuten Verfall preisgegeben wird, damit die vielen Arbeitsstunden der Aufbauhelfer nicht umsonst waren und Goldenbow möglichst schnell wieder seine öffentliche Sehenswürdigkeit
    behält", so der Urenkel.

    Michael-Günther Bölsche

    PS. Anfang Dezember wurde bekannte, dass die Mühle nun privat verkauft wurde und als Wohnraum genutzt werden soll!

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    23.10.2003 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Sternberg

    Geschafft: Dabeler Mühle hat Flügel

    Soldaten hatten die vier Flügelblätter saniert / Zusammenarbeit geht 2004
    weiter

    Dabel. Unter Anteilnahme vieler Schaulustiger aus Dabel und der Region wurden gestern die sanierten Flügel der 111 Jahre alten Dabeler Holländer-Windmühle nach achtjähriger Unterbrechung wieder aufgesetzt. Möglich wurde dies durch viele freiwillige Arbeitseinsätze von Soldaten der 1. Batterie des Panzerartilleriebataillons 405, der Pateneinheit der Gemeinde Dabel.

    Während des Aufbaus der Mühlenräder

     Er sei so aufgeregt gewesen, dass er die halbe Nacht nicht geschlafen habe, bekannte der Zwillingsbruder des Müllers, Eckhart Döscher, ein ehemaliger Postangestellter. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Müller Fritz, habe man dem großen Tag förmlich entgegengefiebert. Als dann am Morgen der gemietete Kran und die vier Spezialhandwerker des Mühlenbaubetriebes Wilhelm Pätzmann aus Winsen/Luhe auf dem Mühlenhof anrückten, gab es für die beiden 60-Jährigen kein Halten mehr: Emsig wie die Bienen gingen sie mal hier und mal da zur Hand, denn keine Fremden kennen ja die Mühle und deren Eigenheiten besser als Fritz und Eckhart Döscher.

    Die Flügel werden wieder angebaut. Rechts im Bild: Müllermeister Fritz Döscher.
              Fotos: Uhlig (3)

    Lange Zeit lagen, nachdem die ursprünglich hölzernen Flügel vom Zahn der Zeit völlig zernagt waren, bei Fritz Döscher bereits neue Flügel aus Metall bereit. Aber eine ganze Reihe von Unfällen und Schicksalsschlägen hatten ihre Montage immer wieder verzögert. Dann war es die Gemeindevertreterin Ellen Heinrich, die den damaligen Spieß der 1. Batterie, Werner Hesse mit dem Müller Fritz Döscher und seinen Problemen mit den Mühlenflügeln bekannt machte. Und der engagierte, humorige Rheinländer und das Mecklenburger
    Die Mühle hat
    wieder ihre Flügel

    Urgestein Fritz Döscher fanden an einem Adventstag des Vorjahres aus dem Stand freundschaftlich zusammen und sprachen bald eine gemeinsame Sprache nicht nur in Sachen Mühle. Dem Spieß gelang es ohne Probleme, Soldaten seiner Batterie für die Entrostung und Bearbeitung der Flügel zu begeistern. Zwischen Mai und September 2003 wurden in der Kaserne, wohin die Flügel aus Platzgründen transportiert wurden, wöchentlich mindestens zwei Arbeitseinsätze von bis zu 15 Soldaten durchgeführt. Jetzt stimme ja unser Bataillons- und das Batteriewappen, die beide die Mühle tragen, so Werner Hesse. Und auch das Gemeindewappen entspricht mit dem gestrigen Tag der Wirklichkeit: eine Mühle mit Flügel.
    Die Zusammenarbeit zwischen dem Müller und der Bundeswehr soll auch nach der Montage der Mühlenflügel weitergehen. Obwohl Werner Hesse inzwischen im Ruhestand ist, hat er versichert, dass seine Jungs Fritz Döscher 2004 bei der Erneuerung der Mühlengalerie helfen, deren Holz komplett ausgetauscht werden muss.

    Sabine Uhlig

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    23.02.2003 Schweriner Blitz

    Es dreht (noch) was im Land
    Michael-Günther Bölsche stellt historische Mühlen ins Internet

    Schwerin/sb/regiofax. Immer wieder ziehen historische Windmühlen bei Spazierfahrten durch's Land schlagartig die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fahrzeuginsassen auf sich. Ein Indiz dafür, welche Ausstrahlung den unbestritten romantischen Bauwerken trotz (odergerade wegen) unserer nüchternen, technisierten Welt bis heute innewohnt.
    Wer über den flüchtigen Eindruck durch das Autofenster hinaus Interesse an den geflügelten Bauten hat, wird jetzt im Internet auf seine Kosten kommen. In liebevoller Kleinarbeit hat der freischaffende Journalist Michael-Günther Bölsche aus Mestlin (bei Parchim) unter "www.muehlen-mv.de" eine Seite ins Netz gestellt, die auf kurzweilige und gut handelbare Weise alle Informationswünsche zum Thema historische Mühlen in unserem Bundesland befriedigen dürfte.
    Neben den vielen Informationen rund um dieses Thema ist auch eine Zusammenstellung der Mühlen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern interessant. Viele Mühlen im Land sind hier nach Landkreises erfasst, geben Auskunft über ihre heutige Nutzung und per Link sind einige direkt "erreichbar".
    Zudem besteht die Möglichkeit für den User, an der inhaltlichen Vervollkommnung der Seite teilzunehmen. Insbesondere werden weitere Infos zu bestehenden Mühlen benötigt, um auf diese Weise die Übersicht weiter zu vervollkommnen. Per E-Mailverbindung kann man eigene Gedanken und Beiträge zum Thema loswerden und Anregungen, Lob und Tadel ganz direkt aussprechen. Auf diese Weise würde das, was Michael-Günther Bölsche im Netz "angedreht" hat, zu einem echten Forum über einen sehr interessanten kulturhistorischen Bereich unseres Landes und eine Plattform Gleichgesinnter werden.

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    14.01.2003 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim

    Flügel der Goldenbower Mühle bleiben stehen

    Gastronomischer Betrieb schließt im Februar


    Auch die
    MMR - die Mecklenburger Mühlen Rallye
    wurde hier aus der Taufe gehoben. Sie findet weiterhin statt.

    Goldenbow. Die am 1. Juni 1995 als gastronomisches Kleinod eröffnete Goldenbower Mühle schließt zum 1. Februar 2003 ihre Türen. "Die wirtschaftliche Talfahrt im Lande hat mich gezwungen, alle meine Verträge fristgerecht zu kündigen und den gastronomischen Geschäftsbetrieb einzustellen", so Mühlenwirt Jürgen Schulz gegenüber unserer Redaktion. Mehr als eine Million D-Mark, über Kredite finanziert, hatte er in die Sanierung gesteckt. "Durch die dünne Eigenkapitaldecke sowie den seit drei Jahren abwärts gehenden Trend in der Wirtschaft war keine kostendeckende Arbeitsweise mehr möglich", begründet Schulz diesen schwerwiegenden Schritt. Mit der Schließung gehen auch vier Arbeitsplätze verloren.
    Die größte Hochholländergaleriemühle Mecklenburgs aus dem Jahre 1924 war durch die vielen kulturellen Veranstaltungen und die regionale Küche weit über die Kreisgrenzen hinaus beliebt. Auch die Mecklenburger Mühlen Rallye ­ sie wird auch weiterhin stattfinden ­ wurde hier aus der Taufe gehoben.
    Bleibt nur zu hoffen, dass baldmöglichst ein neuer Betreiber gefunden wird, damit diese Einrichtung wieder geöffnet werden kann. Sonst droht neben der Schließung auch ein baulicher Verfall.
    Michael-Günther Bölsche

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    08.04.2002 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim

    Goldenbower Mühle entwickelt sich weiter zur "Kultur-Stätte"

    Umfangreiches Kulturangebot in rustikaler Umgebung sehr beliebt

    Goldenbow. Bereits in der Vergangenheit haben sich die Gastronomen der Goldenbower Mühle neben dem reinen Restaurantgeschäft auch um kulturelle Höhepunkte bemüht. Stabilisiert hat sich beispielsweise die "Mecklenburger Mühlen Rallye", die gemeinsam von der Schweriner Volkszeitung und dem Sender Antenne Mecklenburg-Vorpommern unterstützt wird. Am 11. Mai starten die Oldtimer um 10 Uhr wieder zu ihrer Tour durch Westmecklenburg. Am Nachmittag gibt es ein buntes Programm, gegen 16 Uhr werden die Benzinkutschen zurück in Goldenbow erwartet.
    Aber auch in den rustikalen Räumen der Mühle finden viele Veranstaltungen statt. Der Fritz-Reuter-Klub aus der Kreisstadt gastierte hier mehrfach. Die Weinabende der Hambacher Schlosskellerei, in Verbindung mit einem pfälzischen Mehr-Gänge-Menü, gehören mittlerweile zum jährlichen Angebot. Die nächste Veranstaltung dieser Art ist für den 13. April um 19 Uhr vorgesehen.
    Sehr gut angenommen wurden die bisher durchgeführten zwei Schweijk-Abende mit dem Schweriner Schauspieler Eckehard Hahn. Für den 27. April ist die dritte Folge geplant. Selbstverständlich gehört dazu ein entsprechendes böhmisches Menü", verspricht der Mühlenwirt Jürgen Schulz.    
    MGB

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    24.10.2001 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgaben Parchim und Lübz

    Flügel der Mühlen zieren in der Region nur noch Denkmale

    Bauwerke künden vom Handwerk vergangener Jahrhunderte / Zustand oft katastrophal

    Parchim. Windmühlen aus dem 19. Jahrhundert prägen die Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. 21 verschiedene Mühlen werden derzeit im Landkreis gezählt. Deren Zustand und Verwendung ist sehr unterschiedlich und reicht von Gastronomie über rein private Nutzung bis zum fast verfallenen Zeugnis vergangener Jahrhunderte.

    von Michael-Günther Bölsche

    Die Geschichte der Mühlen begann eigentlich mit dem Anbau von Getreide. Schließlich musste das geerntete Korn zerkleinert werden. Mit Hilfe so genannter "Reibsteine" wurden die Körner zerrieben, später entstand der Mörser und daraus resultierten die durch Tierkraft angetriebenen ersten Mühlen. Später folgten die Wassermühlen, die in Mesopotamien die Felder bewässerten und aus denen Tretmühlen entstanden. Windmühlen kamen im deutschen Raum etwa im 11. Jahrhundert auf. Die älteste Form ist die Bockwindmühle. Dabei stand das gesamte drehbare Mühlenhaus auf einem Bock und musste komplett in den Wind gedreht werden. Im Gegensatz zu den Bockwindmühlen wurde bei den Holländerwindmühlen nur noch der obere Teil mit den Flügeln in den Wind gedreht. Dies hatte unter anderem den Vorteil, dass die Standfestigkeit enorm erhöht und durch die Königswelle (Hauptachse) mehrere Mahlgänge gleichzeitig ermöglicht wurden. Je nach Bauart unterscheiden sie sich in Erdholländerwindmühle, Galerieholländerwindmühle oder Steinerne Turmholländerwindmühle.
    Märchen und Sagen ranken um Mühlen
    In der Bevölkerung spielten Müllersleute und die Mühlen eine besondere Rolle. Oft galt dieser Ort für dämonische Umtriebe. Schuld daran ist zum Teil die isolierte Lage außerhalb des Ortes auf einer Anhöhe und die klappernden Geräusche. Viele Märchen und Sagen gibt es, wie das "Märchen von den sieben Raben" von den Gebrüdern Grimm. Viele Mühlen sind heute nicht mehr existent. Oft erinnern nur noch Wege- oder Ortsnamen an einen früheren Standort. So beispielsweise der Mühlenhofer Weg in Mestlin bzw. der Nachbarort Mühlenhof. In Mestlin stand auf der heutigen renaturierten Deponie eine Bockwindmühle, die im Mai 1945 den Flammen zum Opfer fiel. Der Ortsname Mühlenhof weist zwar auf eine Mühle hin, nachgewiesen wurde sie jedoch bisher nicht.

    Im Landkreis Parchim werden nach Angaben der Kreisverwaltung derzeit 21 Mühlen gezählt. Deren Zustand ist aber sehr unterschiedlich. Die Goldenbower Mühle ist im Top-Zustand und dient als Gaststätte, ebenso die Banzkower Lewitz-Mühle, an der zusätzlich ein Hotel und Wellnessbereich angeschlossen ist. Die Goldberger Windmühle ist trotz mehrfachen Versuches einer Sanierung und Neunutzung noch immer eine Ruine. Die ehemalige Parchimer Wassermühle aus dem Jahre 1828/29 ist noch neben der ehemaligen Tuchfabrik am Fischerdamm, zu sehen. 

    Fritz Döscher erläutert Reisegruppen die Technik der Dabeler Mühle

    Die Dabeler Mühle, auch Namensgeber einer Unterhaltungssendung bei NDR-Radio MV, ist zwar noch technisch funktionstüchtig, doch fehlen seit längerem die Flügel.
    Vor dem Verfall gerettet wurde die Grebbiner Mühle. Hans-Eike Müller hat diese in mühevoller jahrelanger Arbeit wieder aufgebaut. Jetzt dient sie als private Wohnstätte, wobei das Innere des Mühlencharakters weitgehend erhalten bzw. wieder hergestellt wurde. Der kraftvolle und meist nicht leichte Einsatz von Mühlenliebhabern hat den weiteren Untergang von Mühlen der unterschiedlichsten Bauart verhindert. Ihnen sei an dieser Stelle einmal Dank gesagt für ihr Engagement zur Erhaltung wichtiger Bauten aus vergangenen Jahrzehnten. 
    Im Land Mecklenburg-Vorpommern sind 156 Mühlen unterschiedlichster Bauart zurzeit erfasst. Der Landkreis Ostvorpommern hält mit 32 Mühlen die Spitze, 28 Mühlen sind es im Landkreis Güstrow. Der Kreis Parchim hält mit 21 Mühlen den dritten Platz. Die meisten Mühlen in einem Ort hat Woldegk aufzuweisen. Hier stehen insgesamt fünf Bauwerke aus vergangener Zeit.

     

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    09.02.2000 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim

    Grebbiner Erdholländermühle hat nun ihre vier Flügel zurück

    Restaurierung des Wahrzeichens geht gut voran / Für Besitzer geht Traum in
    Erfüllung


    Grebbin. Die neuen Besitzer der Holländermühle haben das markante Bauwerk aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Die Zukunft der 1878 erbauten Mühle scheint wieder sicher. Neue Flügel und tausende Eichenschindeln sind das äußere Zeichen für eine gelungene Restaurierung.
    Ende vergangenen Jahres wurde eine weitere wichtige Etappe bei der Restaurierung der Grebbiner Erdholländermühle abgeschlossen. Die vier Flügel verleihen dem 122-jährigen Bauwerk wieder sein charakteristisches Aussehen. Die Mühle in Grebbin stammt aus dem Jahre 1878 und wurde einst von Johann Levin Bollbuck, dem Urgroßvater des jetzigen Dabeler Müllermeisters Fritz Döscher, erbaut.
    Wie Ortschronist Jürgen Mellenthin zu berichten weis, wurde hier noch bis 1963 mit Hilfe der Windkraft und eines Gasmotors Korn zu Mehl und Schrot gemahlen. Nach dem Tod des letzten Müllers, Franz Bollbuck, verfiel die Mühle und der Zahn der Zeit nagte an allen Ecken und Enden. Auch die Flügel fielen nach und nach ab. 1990 erwarb Hans-Eike Müller dieses Bauwerk. Der Lehrer für Kunst, Geschichte und Sport stammt aus Kleinmachnow. Mühlen waren schon immer sein Hobby und er erfüllte sich zusammen mit seiner Lebensgefährtin Hannelore Schmidt mit dem Kauf der Grebbiner Mühle einen Traum.
    Von nun an verbrachten sie jede freie Minute in Grebbin. Mit Unterstützung der Denkmalpflege des Landkreises und des Landes wurde Stück für Stück die Mühle restauriert. Sohn Yves ist von Beruf Dachdecker und war eine große Stütze für den neuen "Müllermeister". 30.000 Schindeln aus Eiche sind mit je vier Nägeln per Hand auf den Mühlenkopf aufgenagelt worden. Auch eine Heizung wurde eingebaut. Der Sockel wurde restauriert und die Flügel aus Lärchenholz geben dem weithin sichtbarem Wahrzeichen der Gemeinde Grebbin ihren Glanz. Allerdings fehlen die Windbretter und die Jalousien. "Der Mühlenkopf müsste stets in den Wind gestellt werden, und das geht aus verschiedensten Gründen nicht", so Hans-Eike Müller zu diesem Umstand.
    Die Mühle beherbergt eine Privatwohnung und bietet ein Ambiente der besonderen Art. Trotz moderner Technik, so in der Küche, wurde darauf geachtet, dass der Mühlencharakter erhalten bleibt. So kündet nicht nur die Königswelle, die einstige Hauptantriebswelle, von dem Fleiß vergangener Jahrzehnte.
    Den gesamten Innenausbau haben Hans-Eike und seine Lebensgefährtin mit Hilfe von Freunden und Familienangehörigen soweit vorangetrieben, dass es eine behagliche Wohnung entstand. Bald schon soll aus der jetzigen Nebenwohnung auch der Hauptwohnsitz der neuen Mühlenbesitzer werden.

    Michael-Günther Bölsche

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    03.09.1998 Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim

    Mühlentour mit dem Bus macht Lust auf neue Ziele

    Parchimer Busunternehmer bietet Erlebnisfahrten in der Region an

    Parchim. Eine Mühlenrallye ganz anderer Art startete Reiseunternehmer Norbert Goldenbohm Anfang dieser Woche. Seine Erlebnistour per Bus soll seinen Fahrgästen die Region näher bringen und die heimische Wirtschaft stärken.
    Eigentlich fahren nur Lastwagen auf den Hof der Mecklenburger-Elde-Mühlen GmbH am Fischerdamm. Anfang dieser Woche bog dort jedoch ein Reisebus mit fünfzig Gästen ein, die sich auf einer Mühlenrallye-Jungfernfahrt befanden.
    Die Idee zu dieser Mühlenrallye stammt von Busfahrer und Reisebürochef Norbert Goldenbohm aus Parchim. Sein Vorhaben fand bei den Betreibern und Besitzern der Mühlen ein positives Echo. Der Geschäftsführer der Elde-Mühlen GmbH Parchim, Walter Scheurich, begrüßte die Gäste persönlich. In zwei Gruppen wurde die 100jährige Mühle, die die meisten nur von außen kannten, besichtigt. Sie erfuhren, dass der gesamte Produktionsablauf nachts nur durch einen einzigen Mitarbeiter bewerkstelligt wird. Rund 45.000 Tonnen Korn werden hier pro Jahr verarbeitet. Abnehmer finden sich in einem Umkreis von bis zu 150 Kilometern.
    Nach diesen Informationen ging es mit dem Bus weiter. Zweites Ziel war eine Mühle ganz anderer Art: Jürgen Schulz, Inhaber der Goldenbower Mühle, empfing die Reisegäste zünftig mit einer Tasse Kaffee am Mühlstein. Hier ließ er up platt die Geschichte der höchsten Holländer-Galerie-Mühle Mecklenburgs Revue passieren. 
    Nächste Station war Banzkow am Rande der Lewitz. Vorbei an Friedrichsruhe-Dorf, Raduhn und Tramm ging es abseits der eigentlichen Hauptstraße zur dortigen Mühle, zu der auch ein modernes Hotel gehört.
    Nach einigen Erinnerungsfotos ging es zum Mittagessen nach Jamel, von dort weiter über Sukow, Crivitz, Demen und Wamckow nach Dabel. Fritz Döscher, nicht nur Müllermeister sondern ein Alleinunterhalter ersten Ranges, präsentierte seine über 100jährige Mühle mal up hochdütsch, mal up platt.
    Diese Mühle bot einen Einblick in die schwere Arbeit eines Müllers. Dank der Kurzweil, die Fritz Döscher verbreitete, war die Zeit viel zu schnell vergangen und nach einer Kaffeepause ging es zurück in das heimatliche Parchim. Christine Suhr aus Woeten war von dieser Tour begeistert. "Einiges kannte ich, aber es gab auch viele Neuigkeiten zu sehen". Gisela Hoffmann aus Grebbin ging es ebenso. Horst Dieckmann war besonders davon angetan, "mal abseits der Hauptstraßen zu fahren". "Die Gegend ist einmalig und dazu das schöne Wetter...", meinte er. das diese Reise nicht nur der Erholung dient, sondern auch eine lehrreiche fahrt ist, das freute Marta und Alfred Siewert aus Stralendorf. "Wir sind schon oft mit der Firma Goldenbohm gefahren, doch dieser Ausflug war super." Alfred Siewert hat früher selbst Getreide in die Parchimer Mühle gefahren und war wie alle Teilnehmer sichtlich zufrieden.
    Nach dieser Jungfernfahrt plant Norbert Goldenbohm weitere Touren durch die Region. "Auch die Schlösser und Gutshäuser sind beispielsweise sehenswert." Mit diesem Angebot will der Parchimer Busunternehmer auch einen Beitrag leisten, um die Wirtschaft in der Region zu unterstützen und Arbeitsplätze zu sichern. So will Norbert Goldenbohm auch mit den Hotels stärker zusammenarbeiten. Sein Motto: "Mehr Geld im eigenen Land lassen, die Wirtschaft damit stärken und die Kaufkraft vor Ort erhöhen".
    Michael-Günther Bölsche

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    Abschrift eines Artikels aus der "Ostsee-Zeitung" vom 20.04.1991

    Die Thurowsche Mühle


    Früher stand auf dem Grund und Boden der Familie Ohlert (Tannenkamp) eine herrliche Holländerwindmühle. Ihr Platz war im jetzigen Garten der Familien Klein und Mähl.
    1929 wurde das Mühlengrundstück von Thurow durch Hans Witt, dem Schwiegervater von Herrn Ohlert erworben.
    Der Stall wurde 1865, das Wohnhaus, in dem sich ein Kornboden befand, sei 1872 erbaut, erklärte Herr Ohlert.
    Die Holländerwindmühlen traten erst im letzten Teil des 18. Jahrhunderts bei uns in Erscheinung. Es drehte sich nicht mehr das ganze Haus um den Bock, sondern nur noch die Haube oder Kappe mit Flügeln. Somit stand der gesamte untere Teil des Mühlenhauses bei der Holländermühle fest. Mittels einer Windrose wurde die Haube der Holländermühle in den Wind gedreht.
    Die Holländerwindmühlen verdrängten überall im Norden Europas die alten Bockwindmühlen, denn sie haben mehrere Vorteile. Sie geben mehr Energie, stehen sicherer auf dem Boden, verfügen über mehrere Mahlgänge. Außerdem war in der Mühle mehr Platz und sie konnte so den erhöhten Bedarf an gemahlenem Getreide besser decken.
    Meistens benötigte diese Art von Mühlen zwei Eingänge, da man nicht hinein und hinaus konnte, wenn die Flügel an der Tür vorbeisausten.
    P. Wussow, Bodendenkmalpfleger

    Bildtext:
    Die Thurowsche Mühle, eine eckige Holländermühle. Den Abschluß der Haube bildete eine Kugel. In ihr befanden sich - wie allgemein üblich - Münzen und persönliche Daten des Mühlenbesitzers. Das rechte Foto zeigt das Wohnhaus der Müllerfamilie Thurow, das heute noch steht. Repro: P. Machule

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